Natur & Umwelt

Mehr Artenvielfalt im urbanen Raum – BUND schließt Projekt „Ökologische Nische Friedhof“ erfolgreich ab

Mehr Artenvielfalt im urbanen Raum – BUND schließt Projekt „Ökologische Nische Friedhof“ erfolgreich ab

Friedhöfe spielen eine wichtige Rolle in der religiösen Praxis. Sie sind zudem auch Rückzugsraum für zahlreiche Pflanzen und Tiere und bilden ökologisch wertvolle Inseln im urbanen Raum. Das BUND-Projekt „Ökologische Nische Friedhof“ hat sich in den vergangenen drei Jahren auf diese Hotspots der Artenvielfalt konzentriert und wildbienenfreundliche Maßnahmen durchgeführt. Zum Abschluss des Projektes zieht der Umweltverband eine positive Bilanz.

„Am Beispiel der Wildbienen hat das BUND-Projekt gezeigt, welche vielfältigen Möglichkeiten es auch im urbanen Raum für den Schutz seltener Arten gibt“, sagt der BUND-Landesvorsitzende Heiner Baumgarten. „Die neu entstandenen naturnahen Strukturen auf unseren Projektfriedhöfen sind nun Inspiration für die insektenfreundliche Gestaltung anderer städtischer Flächen wie beispielsweise Parks und Grünanlagen.“ Zwischen September 2017 und November 2020 wurden auf den Friedhöfen in Braunschweig, Göttingen, Hannover und Lüneburg insgesamt 18 Mustergräber mit wildbienenfreundlichen Stauden angelegt, knapp 11 500 m² Wildblumenwiesen ausgesät und über 1.500 Stauden und Gehölze sowie zwei Streuobstwiesen mit regionalen Obstsorten angelegt. Dank des großen Zuspruchs sind auf vier weiteren Friedhöfen in Bad Fallingbostel, Freden, Schwanewede und Westerstede ebenfalls Wildblumenwiesen, Staudenbeete und Gehölzbereiche entstanden.

„Bei den Pflanzungen und Umgestaltungsmaßnahmen haben wir die Bedürfnisse der fleißigen Insekten in den Mittelpunkt gerückt und gezielt regionale heimische Pflanzen ausgewählt“, erläutert Projektleiter Jakob Grabow-Klucken. „So haben wir vor allem für spezialisierte Wildbienenarten mehr Nahrungsmöglichkeiten und Nistflächen bereitgestellt.“ Die Erfolge waren schnell zu sehen: Teils seltene Arten konnten bereits im ersten Jahr an den Blüten angetroffen werden. In Göttingen wurden auf einer 6,25 m² großen Fläche sechs solitäre Bienenarten entdeckt, darunter die Mandibel-Kegelbiene – eine Kuckucksbiene, die in Niedersachsen als vom Aussterben bedroht gilt. Insgesamt sichteten Expert*innen auf den Projekt-Friedhöfen 121 verschiedene Wildbienenarten, ein Drittel der gesamten niedersächsischen Wildbienenfauna. Ein weiterer Projektbaustein war die Weiterbildung: Der BUND hat Friedhofsgärtner*innen und -mitarbeiter*innen zu den Themen Totholz, Bienenweiden, ökologisches Mähen und Nisthilfen geschult, damit sie ihre Pflegemaßnahmen speziell an die Bedürfnisse bedrohter Arten anpassen und diese nachhaltig schützen können.

Das Projekt „Ökologische Nische Friedhof“ fand über die Grenzen Niedersachsens hinweg Beachtung: 2018 wurde es mit dem Nachhaltigkeitspreis vom Regionalen Netzwerk für Nachhaltigkeitsstrategien (RENN) ausgezeichnet, 2019 folgte der Gewinn des #beebetter-Awards in der Kategorie „Öffentliche Einrichtungen & Großgruppen“ und 2020 die Auszeichnung als „Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt“. „Es ist sehr erfreulich, wie sich der Stellenwert vieler bedrohter Insekten in den letzten Jahren verbessert hat –  dazu hat dieses Projekt einen wichtigen Beitrag geleistet“, lobt auch Karsten Behr, Geschäftsführer der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung, die das Projekt maßgeblich unterstützt hat. „Mit unserer Förderung konnten wir dazu beitragen, dass viele neue Lebensräume insbesondere für Wildbienen entstanden sind, die zur Nachahmung anregen.“

Weitere Informationen: www.bund-niedersachsen.de/oekologische-nische-friedhof

Foto: Buckel-Seidenbiene. ©Klaus Kuttig

RadioLeinewelle

Dezember 2nd, 2020

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