Natur & Umwelt

Marktcheck: Kaum Festtagsbraten aus tiergerechterer Haltung

Marktcheck: Kaum Festtagsbraten aus tiergerechterer Haltung

Weihnachtszeit ist Genusszeit: Viele Familien gönnen sich einen Festtagsbraten. Aber es gibt kaum Fleisch aus artgerechterer Tierhaltung in Supermärkten und Discountern. Das ist das ernüchternde Ergebnis eines bundesweiten Marktchecks der Verbraucherzentralen. Auch anderthalb Jahre nach Einführung des Haltungsform-Labels bieten Supermärkte und Discounter noch immer wenig Fleisch mit höheren Standards an. Das zeigt ein erneuter bundesweiter Marktcheck der Verbraucherzentralen. In einer nicht repräsentativen Stichprobe haben wir im September und Oktober geprüft, wie sich das Fleischangebot in den einzelnen Haltungsstufen im Vergleich zum Vorjahr verändert hat. Die Ergebnisse sind ernüchternd.

Kaum Entwicklung im Fleischangebot mit mehr Tierwohl
Seit April 2019 kennzeichnen acht Handelsunternehmen ihre Fleischprodukte einheitlich mit dem Label „Haltungsform“. Der erneute Vergleich von über 1.700 Fleischprodukte aus rund 30 Geschäften zum Marktcheck 2019 zeigt kaum eine Entwicklung: Immer noch stammt mehr als dreiviertel der Fleischprodukte aus Haltungsform 1 und 2. Haltungsform 3 macht mit drei Prozent erneut einen verschwindend geringen Anteil aus.

Transparenz und Verfügbarkeit verbessern
Damit haben Verbraucher kaum die Wahl, Fleisch aus besser Tierhaltung zu kaufen. Der Handel muss nachbessern. Außerdem müssten Händler die „Haltungsform“ konsequent auch an Bedientheken und auf Wurstwaren kenntlich machen und besser über die Kriterien des Labels informieren. Nur so können sich Kunden besser orientieren.

Haltungsform ersetzt kein Tierwohllabel
Die Haltungsform des Handels ist kein Tierwohllabel. Allein mehr Platz und Einstreu im Stall garantieren kein besseres Tierwohl. Für verlässliche Aussagen zum Tierwohl müssen verhaltens- und gesundheitsbezogene Faktoren in der Tierhaltung und am Schlachthof erhoben und ausgewertet werden. Die Haltungsform-Kennzeichnung ist nicht mehr als eine Übergangslösung. Die aussagekräftigere staatliche Tierwohlkennzeichnung schnellstmöglich eingeführt werden. Um das Leben aller Nutztiere zu verbessern und flächendeckend für mehr Tierwohl zu sorgen, muss die gesamte Nutztierhaltung umgebaut werden. Dazu braucht es ein klares Bekenntnis von Bundesregierung und Bundesländern, für alle Tierarten gesetzliche Mindeststandards sowie Zielwerte für die messbaren Tiergesundheits- und Tierwohlparameter einzuführen und schrittweise verbindlich anzuheben.

Bild von RitaE auf Pixabay

 

RadioLeinewelle

Dezember 16th, 2020

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