Kultur

Kreuzberg on KulTour fordert: Kultureinrichtungen müssen erreichbar bleiben

Kreuzberg on KulTour fordert: Kultureinrichtungen müssen erreichbar bleiben

Die Göttinger Innenstadt ist vielfältig! Sie bietet für die Göttinger und alle aus dem Landkreis ein abwechslungsreiches Angebot aus Handel, Gastronomie und Kultur. Zwar nimmt das kulturelle Angebot seit der Jahrtausendwende durch das katastrophale Spielstättensterben in unserer Stadt stetig und sehr bedenklich ab, und die Attraktivität ist vor allem für junge Menschen schon jetzt erheblich zusammengeschrumpft, aber noch hat Göttingen etwas zu bieten.

Die Pläne der Grünen, die Innenstadt attraktiver zu gestalten, indem der Autoverkehr immer weiter behindert und sogar ganz verbannt werden soll, sind aus Sicht des Kreuzberg on KulTour e.V. kontraproduktiv. Sie führen in erster Linie nur dazu, die noch bestehende Vielfalt und die dadurch noch erhaltene Lebens- und Liebenswertigkeit unseres Zentrums zu gefährden. Die Innenstadt soll ein Ort der Begegnungen werden, um u.a. die dortige Kultur genießen zu können, so die Idee der Grünen. Erreichen wollen sie dies, indem das Parken beispielsweise auf dem Albaniplatz verboten werden soll.

Die Innenstadt ist von sich aus schon immer ein Ort der Begegnung und muss nicht erst künstlich zu einem gemacht werden“, so Klaus Wißmann, 1. Vorsitzender des Kreuzberg on KulTour e.V.. „Vor allem erreicht man dies nicht, indem man die Erreichbarkeit weiter erschwert. Wie man auf die Idee kommen kann, die Unerreichbarkeit würde die Innenstadt attraktiver machen, ist uns schleierhaft. Wenn erst einmal die Stadthalle fertig saniert sein wird, müssen sowohl die Göttinger, als auch Auswärtige direkt dort parken können. Und wenn es schon keine Tiefgarage geben soll, dann müssen doch wenigstens die Parkplätze auf dem Albaniplatz erhalten bleiben.“

Mit Ausnahme des Parkhauses Groner Tor, haben die anderen Parkhäuser bestimmte Öffnungszeiten. Veranstaltungen, die in der Stadthalle, im Deutschen Theater oder einer anderen Kultureinrichtung länger dauern oder wenn man nach dem Kulturgenuss noch gesellig zusammen sitzen möchte, können also nicht mehr ohne Zeitdruck besucht werden. Das ist einer der Gründe, warum die rund 100 Parkplätze auf dem Albaniplatz unbedingt erhalten bleiben müssen. Die Stadthalle erst aufwendig und teuer zu sanieren und im gleichen Zug deren Erreichbarkeit drastisch einzuschränken, stellt einen echten Schildbürgerstreich dar!

Eine große Veranstaltungslokalität ohne direkt angebundene Parkplätze, sowas kann man doch beim besten Willen nicht für eine wohl überlegte und kluge Entscheidung halten. Nicht nur Göttinger sind aus verschiedenen Gründen auf Parkplätze direkt an der Veranstaltungslokalität angewiesen, sondern besonders die Bewohner des Landkreises und aus angrenzenden Landkreisen/Bundesländern müssen die Möglichkeit haben Veranstaltungen besuchen zu können. Und anders als mit dem Auto geht das nunmal aufgrund des schlechten ÖPNV-Angebots im Landkreis nicht. Wer den Besuch einer Veranstaltung so unattraktiv gestaltet, muss sich auch nicht wundern, wenn das potentielle Publikum in andere Städte ausweicht“, so Wißmann weiter.

Kurz nachgerechnet wird klar: Eine Fahrt mit dem Auto von Göttingen zur Stadthalle Paderborn und zurück ist günstiger, als eine einzelne Taxifahrt von Diemarden zur Göttinger Stadthalle. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist die Strecke gar nicht zu bewerkstelligen. Näher als Paderborn liegen noch die Veranstaltungshallen von u.a. Northeim, Bad Sooden Allendorf, Kassel, Hildesheim, Braunschweig und Hannover, welche alle mit sehr guten Parkmöglichkeiten in der Nähe der Hallen ausgestattet sind und so zu einer übermächtigen Konkurrenz für Göttingen werden.

Die Pläne für eine autofreie Innenstadt und in dem Zuge die Abschaffung von Parkplätzen, würde vor allem den vielen Beschäftigten unserer Innenstadt, dem Einzelhandel und der davon wiederum abhängenden Gastronomie erheblich schaden und für die Veranstaltungsbranche einen weiteren schweren Schlag bedeuten.

Die massive Gefährdung der wirtschaftlichen Existenz der vielen kleinen Betriebe im Göttinger Zentrum, zu denen neben dem Einzelhandel natürlich auch die Gastronomie und Kultureinrichtungen zählen, nehmen die Grünen billigend in Kauf. Das wurde bei der Haushaltsrede vom Fraktionsvorsitzenden Rolf Becker deutlich, als er sagte „shoppen könne man ja auch vom Sofa aus“. Gerade dies versuchen die ums Überleben kämpfenden Betriebe der Innenstadt ja zu vermeiden, damit sie ihre Existenzgrundlage nicht verlieren!

Die vielen unterschiedlichen Betriebe sind es, welche die Göttinger Innenstadt tatsächlich lebens- und liebenswert machen – und zwar schon jetzt!

Eine autofreie Innenstadt ist eine interessante Vision für die Zukunft. Allerdings ist hier die Reihenfolge der Maßnahmen von zentraler Bedeutung: Es gilt attraktive Angebote durch den ÖPNV zu schaffen, anstatt zuerst die Parkplätze auf dem Albaniplatz ersatzlos zu streichen. Und nein, eine Verlagerung der Parkplätze ist aufgrund der Entfernung keine ernstzunehmende Alternative.

Schon zu Zeiten, als die Stadthalle noch geöffnet hatte, parkten die Besucher häufig in zweiter Reihe, um überhaupt noch irgendwie in der Nähe der Stadthalle parken zu können. Wenn also die bisherigen 100 Parkplätze auf dem Albaniplatz nicht ausreichten, wie soll es dann erst werden, wenn diese wegfallen und die potentielle Alternative weiter weg liegt?

Und auch wenn im Zusammenhang mit der Erreichbarkeit hauptsächlich die Stadthalle und auch das Deutsche Theater genannt werden, werden auch die kleinen Veranstaltungslokalitäten unter einer schlechteren Erreichbarkeit leiden. In den vergangenen 20 Jahren hat es in Göttingen ein massives Spielstättensterben gegeben. Anstatt den verbliebenen Lokalitäten noch weitere Steine in den Weg zu legen, müssen sie gefördert und unterstützt werden. Und dazu zählt auch eine gute Erreichbarkeit.

RadioLeinewelle

März 25th, 2021

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