Bauen & Verkehr

BUND fordert: Europaquartier in Göttingen soll ökologisches und soziales Vorzeigeprojekt werden

BUND fordert: Europaquartier in Göttingen soll ökologisches und soziales Vorzeigeprojekt werden

Die Bauplanung für das geplante Europaquartier schreitet voran. Die Diskussion um die zukünftige Ausgestaltung des Viertels wird durchaus kontrovers geführt. Jetzt hat sich die Ortsgruppe Göttingen der Umweltschutzvereinigung BUND zu diesem Thema zu Wort gemeldet:

Die BUND Kreisgruppe Göttingen begrüßt grundsätzlich die vorliegenden städtebaulichen Entwürfe und fordert das Baugebiet zu einem Vorzeigeprojekt in Hinblick auf Klimaschutz, flächensparendes Bauen, Mobilität, Durchgrünung, Artenschutz, sozialem Miteinander und Wohlbefinden der Bewohner*innen zu entwickeln. Diese Forderung brachte auch die Stellungnahme des BUND an die Fraktionen und das Baudezernat der Stadt zu Ausdruck.

Zum Schutz der natürlichen Ressourcen, für die Verbesserung des Kleinklimas und die Förderung der Biodiversität erläutert die Biologin Dr. Stephanie Schell für den BUND wichtige Ziele: „Die Planer*innen sollten höchste Standards verfolgen und so das Gebiet zum Vorbild für weitere geplante Baugebiete machen!“

Ein nachhaltiger Umgang mit Wasser sei dabei wichtig für Umwelt und Menschen. Dafür sei die ortsnahe Bewirtschaftung mit Regenwasser in bebauten Gebieten unumgänglich, so Schell! Deshalb sollte die Gewinnung und Nutzung von Regenwasser im geplanten Gebiet integriert und vorgeschrieben werden. Die Regenwasserversickerung müsse als naturnahe Teichversickerung (keine Beton- oder Steinbecken) realisiert werden. Hier könnten dann auch einzelne Bereiche geschaffen werden, die ganzjährig Wasser führen und somit neue Lebensräume für Amphibien und Insekten entstehen. Nicht zuletzt haben Wasserlebensräume auch ein großes Erlebnispotenzial für die Bewohner*innen des Quartiers.

Die Grünflächen sollten möglichst naturnah gestaltet werden, erläutert Schell weiter. Neben Sport- und Liegeflächen mit artenarmen Scherrasen, sollten artenreiche Wiesen mit Regiosaatgut angelegt werden. Besonders wichtig sei es, nur heimische, blüten- und fruchtreiche Arten anzupflanzen, um der heimischen Insektenwelt ein ausreichendes Nahrungsangebot zur Verfügung zu stellen. Neben Wildsträuchern und Bäumen sollten blütenreiche Staudenbeete mit heimischen Arten vorgesehen werden. „Für die Sicherung einer insektenfreundlichen Umgebung ist auf ein kontinuierliches Blütenangebot zu achten,“erklärt die Biologin. Zudem sollten auch Nistangebote für Insekten, insbesondere Wildbienen, errichtet werden. Hierfür kämmen z.B. Trockenmauern, offene Bodenstellen, Totholzstapel und Insektenhäuser infrage.

„Für die neuen Wohngebäude muss unbedingt eine Artenschutz-fördernde Bauweise angewandt werden. In die Gebäudedämmung sollten Nistkästen für Mauersegler und Fledermäuse integriert werden. Zusätzlich sollten Nistkästen für Brutvogelarten an Gebäuden oder an Bäumen installiert werden,“ führt Schell aus.

Darüber hinaus sollte es unbedingt Festsetzungen für die Installationen von Dach- und Fassadenbegrünungen geben. Diese stellten eine effektive ökologische Aufwertung dar: Sie besitzen eine klimaregulierende Wirkung, halten die Luft rein, tragen zur Erhöhung der biologischen Vielfalt bei und stärken die Erholungswirkung.

Licht spiele außerdem eine wesentliche Rolle für fliegende, nachtaktive Insekten, so Schell. Für diese sind künstliche Lichtquellen ein Problem, da ihre Orientierung und ihr natürlicher Lebensrhythmus gestört werden. Deshalb weise der BUND darauf hin, dass bei jeglicher Außenbeleuchtung auf insektenfreundliche Leuchtmittel zurückgegriffen werden sollte. Hierfür sollte ein umfassendes Beleuchtungskonzept für das Quartier entwickelt werden, das u.a. Angaben über Standorte und Zeiträume der Beleuchtung enthält.

Der BUND wird die zukünftigen Planungs- und Umsetzungsphasen genau verfolgen und die Umsetzung der genannten Maßnahmen bis zur Realisierung aktiv einfordern.

RadioLeinewelle

Mai 25th, 2021

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