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Studie der Uni Göttingen zeigt: digitale Nachzügler-Schulen drohen abgehängt zu werden

Studie der Uni Göttingen zeigt: digitale Nachzügler-Schulen drohen abgehängt zu werden

Seit über einem Jahr gehört Homeschooling zum Alltag von deutschen Schülerinnen und Schülern. Das klappt mal mehr, mal weniger gut. Wie es um die Digitalisierung von Schulen in Deutschland steht, untersucht aktuell die Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften der Universität Göttingen. Nun wurden erste Ergebnisse veröffentlicht. 

Beim Vergleich der digitalen Strategien und Infrastrukturen an Schulen in Deutschland offenbaren die Studienergebnisse eine deutliche Kluft zwischen vier Schultypen: die Digitalen Vorreiter-Schulen, Digital orientierte Schulen, Durchschnitt-Schulen und Nachzügler-Schulen. Während die Lehrkräfte an Schulen mit höherer digitaler Reife die Potenziale ihrer Schülerinnen und Schüler besser fördern können, ist die Arbeitssituation an digital unterdurchschnittlichen Schulen stärker durch höhere Belastungen, fehlende digitale Lernkonzepte und größere Hindernisse beim Technikeinsatz geprägt. Wenn Schulen aber den Anschluss an die Digitalisierung verlieren, wächst auch die digitale Kluft bei den Schülerinnen und Schülern. 
Nach dem eher pragmatischen Digitalisierungsschub durch die Pandemie heißt es jetzt mittel und langfristig die bedarfsgerechte, sozial verantwortliche und integrierte Gestaltung der Digitalisierung an deutschen Schulen zu gestalten. Dabei ist zu beachten, dass die Überforderung von Lehrkräften nicht die Zukunftsgestaltung gefährden darf. Im Zuge der digitalen Transformation in unserer Gesellschaft müssen alle Schülerinnen und Schüler an ihren Schulen digitale Kompetenzen erwerben, um gleichberechtigt am beruflichen und gesellschaftlichen Leben teilhaben können. 
Darüber hinaus benötigen Lehrkräfte Spielräume, um das digital unterstützte Lehren und Lernen zu gestalten. Letztlich häufen sich in digitalen Nachzügler-Schulen die Probleme der Digitalisierung. In vielen Schulen erwerben Schülerinnen und Schüler nicht die digitalen Kompetenzen, die notwendig sind. Eltern erfahren nicht die Unterstützung, die möglich ist. Und Lehrkräfte erleben eine Benachteiligung in der Ausübung ihres Berufes, weil sie mit viel mehr Herausforderungen, Hindernissen und am Ende auch Belastungen konfrontiert sind, als in Schulen mit explizit digitaler Orientierung. 
 Es ist daher wichtig Maßnahmen zur Überwindung der digitalen Kluft anzugehen. Schulen müssen in ihrer Entwicklung unterstützt werden. Schulleitungen müssen ermuntert werden, sich auf partizipative Entwicklungsprozesse einzulassen. Digitale Infrastrukturen müssen forciert und pädagogisch angemessen ausgebaut werden. Für das Forschungsprojekt hatten im Januar und Februar diesen Jahres 2.750 zuvor registrierte Lehrerinnen und Lehrer mithilfe eines Onlinefragebogens umfassend Auskunft über ihre Arbeitssituation und ihre Arbeitsbelastung im Rahmen der fortlaufenden Digitalisierung gegeben. Die Studie wurde an Gymnasien, Gesamtschulen und vergleichbaren Schulformen mit Sekundarstufe I und II in allen Bundesländern durchgeführt. 

RadioLeinewelle

Juni 6th, 2021

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