Arbeitswelt

Corona in Göttingen – Tausende Minijobber arbeitslos

Corona in Göttingen – Tausende Minijobber arbeitslos

Laut der Bundesagentur für Arbeit gab es Ende 2020 in Göttingen 27.572 Minijobberinnen und Minijobber. Das sind rund  2.400  weniger als im Jahr davor. Vor allem im Dienstleistungssektor, insbesondere im Gastgewerbe, war ein hoher Rückgang der Minijobs zu verzeichnen. Das bedeutet: Mehrere Tausend Göttingerinnen und Göttinger haben in der Corona-Pandemie ihre geringfügigen Jobs verloren und landeten ausschließlich im Hartz IV-Bezug. Der DGB fordert angesichts dieser Zahlen eine Minijob-Reform.

„Die aktuelle Krise ist ein Alarmsignal. Minijobberinnen und Minijobber wurden in der Pandemie als erste vor die Tür gesetzt, als die Restaurants, die Läden und die Schulen dicht machen mussten“, sagte Agnieszka Zimowska, DGB-Kreisverbandsvorsitzende in Göttingen. Laut den Zahlen betraf es doppelt so viele Frauen wie Männer. Ein langfristig schädlicher Effekt für Rentenansprüche und eigenständige Einkommensverhältnisse, wie die Gewerkschafterin beurteilt.

Da geringfügig Beschäftigte von der Arbeitslosenversicherung ausgeschlossen sind, erhalten sie weder  Kurzarbeiter-, noch  Arbeitslosengeld. Vielen bleiben nur die viel zu niedrigen Leistungen der Grundsicherung. Viele sind ohnehin Aufstocker*innen, die ohne Grundsicherung nicht auskommen.

„Minijobberinnen und Minijobber mussten bittere Einkommensverluste einstecken und haben Probleme, überhaupt ihren Lebensunterhalt zu sichern. Gerade in Krisenzeiten müssen sich Beschäftigte aber auf ein soziales Sicherungsnetz verlassen können. Minijobs lösen dieses Versprechen nicht ein“,  beklagt Zimowska.

„Dem vermeintlichen Vorteil eines Brutto-für-Netto-Verdienstes stehen Niedriglöhne und Altersarmut gegenüber. Vor allem Frauen wird durch diese Fehlanreize die Möglichkeit einer eigenständigen Existenzsicherung verwehrt. Minijobs sind ein Relikt anderer Zeiten und müssen dringend reformiert werden“, fordern Göttinger DGB-Frauen.

Der DGB kritisiert wegen seiner gravierenden Nachteile für Beschäftigte schon lange  das „System Minijob“ und setzt sich für eine Umwandlung aller Minijobs in sozial abgesicherte Beschäftigung ab dem  ersten Euro ein.

Symbolbild von Free-Photos auf Pixabay

RadioLeinewelle

Juli 22nd, 2021

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