documenta 15

documenta fifteen – ein zweiter Blick

documenta fifteen – ein zweiter Blick

Halbzeit auf der diesjährigen documenta. In den Medien war oft die Diskussion um die berechtigten Vorwürfe antisemitischer Darstellungen auf dieser Weltkunstschau vorherrschend. Dies ist vor allem dem Kommunikationsdesaster der Verantwortlichen geschuldet. Ignoranz und Fehlen eines notwendigen Diskurses haben die documenta fifteen an den Rand des Scheiterns gebracht. Das dieses Thema noch nicht zu Ende ist zeigen die aktuellen Diskussionen um die Videoinstallation “Tokyo Reels” im Hübner-Areal.

Um so wichtiger ist es einen zweiten Blick zu wagen. Dem Publikumsinteresse haben die Debatten wenig geschadet. Mitten in der Woche drängten sich viele Besucher in den klassischen Ausstellungsstätten rund um den zentralen Friedrichsplatz. Fröhliches Kindergeschrei schallt aus dem ehrwürdigen Fridericianum, dies ist für eine Kunstausstellung ungewöhnlich. Hier sind die Ruru Kids zu Haus, zahllose Kinderbilder zeugen davon das diese Räume, u.a. gestaltet von der brasilianischen Pädagogin Graziela Kunsch, gut angenommen werden. Partizipation ist das Thema im zentralen Ausstellungsgebäude. Sei es in der Do-it-Yourself Werkstatt der tunesischen Gruppe El Warcha oder im „Another Roadmap Africa Cluster“und bei der indonesischen Wissensplattform Gudskol im Erdgeschoß des Fridericianums. Natürlich gibt es ebenfalls Leinwandwerke, u.a. von der britischen Kulturorganisation Project Art Works. Die Werke, auch „neurodiverse Kunst“ genannt, sind von Künstler*innen mit ungewöhnlichen neurologischen Entwicklungen wie Autismus, Dyslexie oder Dyskalkulie. Großformatige Bilder, teils mit Unterstützung durch Assistent*innen erstellt. Hier lohnt sich definitiv die dortige Videodokumentation über die Künstler*innen. Die Beiträge zeigen, wie es möglich ist ein künstlerisches Terrain zu bereiten, das integrative Formen der gegenseitigen Unterstützung und Fürsorge fördert. Wer mit aufmerksamen Augen durch die documenta fifteen geht, wird viele der Grundprinzipien des ruangrupa Kollektivs entdecken: Humor, Großzügigkeit, Unabhängigkeit,Transparenz, Genügsamkeit. Regeneration und lokale Verankerung. Wie weit das Prinzip der lokalen Verankerung geht, kann man in den Ausstellungsräumen im Ortsteil Bettenhausen sehen. Hierfür sollte man sich einen ganzen Tag Zeit nehmen.

Mehr Infos unter www.documenta-fifteen.de

Ulf Engelmayer

Foto: Do-it-Yourself Werkstatt El Warcha ©Radio Leinewelle (ue)

RadioLeinewelle

August 22nd, 2022

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