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„Keine Heimat für Nazis – Friedland ist bunt“ – Bericht der Bürgerinitiative

„Keine Heimat für Nazis – Friedland ist bunt“ – Bericht der Bürgerinitiative

Gegen eine Versammlung des rechtsextremen Verbandes „Aufbruch Heimat“ am vergangenen Samstag, den 20.08.2022, wurde unter dem Motto „Keine Heimat für Nazis- nirgendwo!“ am Mahnmal Friedland demonstriert. Aufgerufen hatte das lokale Bündnis für Vielfalt und Demokratie „Friedland ist bunt“. Die Initiative sieht in der Veranstaltung ein positives Signal der Region gegen rechte Umtriebe.

Trotz Ferienzeit, drückender Schwüle und drohendem Gewitter machten sich über 220 Menschen auf die Demonstrationsroute vom Bahnhof Friedland durch den Ort sowie den steilen Anstieg hinauf zum Mahnmal, um für eine offene und vielfältige Gesellschaft einzustehen. Auf den Transparenten hieß es unter anderem „Wehret den Anfängen“ und „Bunt statt Braun“. Am Zaun der evangelischen Kirchengemeinde lautete die Botschaft „Unser Kreuz hat keine Haken“.

„Wir freuen uns über die zahlreiche Teilnahme von Menschen mit verschiedensten Hintergründen aus der Breite der Gesellschaft. Hier sind unsere Nachbar:innen genauso wie Lokalpolitiker:innen, Engagierte aus umliegenden Gemeinden, Omas gegen Rechts, der DGB, die Kuhle Wampe und antifaschistische Gruppen“, so Barbara Decker vom Bündnis. „Schon im Vorfeld haben wir große Unterstützung erfahren, von Seiten der Ordnungsbehörden, bei der Ausleihe und Bedienung der Technik und der Getränkeversorgung hier vor Ort. Diese Resonanz bestärkt uns enorm.“

Am Kundgebungsort auf der Wiese unterhalb des Mahnmal positionierten sich ein Dutzend Redner:innen klar gegen die geschichtsrevisionistischen Parolen, die von den sechzehn Teilnehmenden der rechtsextremen Versammlung auf der anderen Seite des Mahnmals vertreten wurden.

Dass Rechtsextremismus nicht stillschweigend hingenommen werden darf, machten Landtagskandidierende aller demokratischen Parteien sowie Fritz Güntzler als MdB der CDU, die stellvertretende Landrätin Bärbel Diebel-Gerries, Dietmar Sedlaczek als Leiter der Gedenkstätte Moringen, Anna Louise Weßling vom Museum Friedland, die Basisdemokratische Linke und der Rechtsextremismusforscher Michael Lühmann in ihren Beiträgen deutlich.

Alle Sprecher:innen forderten einen konsequenten Einsatz gegen den Rechtsextremismus, und das nicht nur in Deutschland. Den Worten müsse nun Handeln auf allen politischen Ebenen folgen, forderte die Basisdemokratische Linke.

Deutliche Kritik an der Ausrichtung des Friedländer Mahnmals wurde von etlichen RednerInnen geäußert und von vielen Teilnehmenden angesprochen. Die inhaltliche Ausrichtung der Gedenkstätte ist mit ihren Inschriften durchaus anschlussfähig für rechtsextreme Ideologien, da sie den Ursprung und die Verantwortung für die Verbrechen des Zweiten Weltkrieges verschweigt und die eigentlichen Opfer des Nationalsozialismus nicht benennt. „Das Heimkehrer-Denkmal in Friedland ist ein symbolisch aufgeladener Ort. Geplant wurde es in den 1950er Jahren, in einer Zeit als sich die Mehrheit der Deutschen für vieles interessiert hat, aber nicht für eine Auseinandersetzung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus. Die Opfer von Holocaust und Konzentrationslagern sucht man hier vergeblich“, so Dietmar Sedlaczek. „ Daher fordere ich heute die Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft auf, dafür Sorge zu tragen, dass das Heimkehrer-Denkmal in Friedland endlich eine öffentlich sichtbare Kontextualisierung erfährt!“

 „Wir sehen den klaren Bedarf an der Aufarbeitung der Aussage des Denkmals“, schließt sich Renate Schmalfuß von ‚Friedland ist bunt‘ an, „und hoffen, in Zukunft dazu mit verschiedenen Akteur:innen ins Gespräch kommen zu können“.

Michael Lühmann stellte den Bezug zu der von ihm beforschten rechten Szene in Sachsen her und warnte vor der Normalisierung rechtsextremer Einstellungen. „Dialog müsse man führen, ausgrenzen dürfe man nicht, ignorieren solle man das rechte Treiben, ihm nicht so viel Aufmerksamkeit schenken, heißt es dann. Und falscher kann Politik nicht handeln“, beschreibt Lühmann. „Wo keine der demokratischen Parteien auch nur eine schmale Brücke des Verständnisses nach rechts aufbaut, dort bleiben auch die Rechten schwach. Und ich hoffe, dass wir als Zivilgesellschaft, glasklar gestärkt und gestützt von der Politik, auch im Herbst und Winter da sind, wenn die Rechte versucht, die aktuellen Krisen für den Angriff auf die Demokratie auszunutzen“. 

Nach rund viereinhalb Stunden wurde die friedlich verlaufene Gegendemonstration von der Versammlungsleitung beendet.

RadioLeinewelle

August 24th, 2022

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