Erster Streiktag an der Universitätsmedizin Göttingen – Beschäftigte fordern faire Löhne und bessere Arbeitsbedingungen

Dienstagmorgen vor der Universitätsmedizin Göttingen. Statt des üblichen Schichtwechsels sammeln sich Gruppen von Beschäftigten vor dem Haupteingang. Viele tragen Warnwesten und rote Wollmützen. Man kennt sich. Manche kommen direkt aus einer Nachtschicht, andere hätten jetzt eigentlich anfangen sollen zu arbeiten. Heute tun sie es nicht.

Der erste Warnstreiktag beginnt leise – und mit einer spürbaren Mischung aus Anspannung und Entschlossenheit. Auf einem zentralen Transparent steht die Forderung der Gewerkschaft: „7 Prozent mindestens 300 Euro pro Monat“. 

Was die Beschäftigten eint, ist weniger Wut als Erschöpfung. Durch alle Reden an diesem Morgen zieht sich ein Thema: die Arbeit am Limit.  Überstunden an einer Universitätsklinik sind längst keine Ausnahme, sondern oft der Normalfall. Wenn Kolleg*innen krank werden oder kündigen, werde das oft im Team „mit aufgefangen“ – kein Einzelfall. Hinzu kommen Arbeitsverdichtung durch zusätzliche Dokumentationspflichten, erhöhtes Patientenaufkommen und neue Aufgaben wie z.B. Personalausbildung. 

Besonders häufig fällt der Blick auf die Patient*innen. Viele Streikende betonen, dass sie den Protest nicht gegen die Versorgung richten, sondern für sie. Gerade deshalb sei der Schritt, in den Ausstand zu gehen, so schwer gefallen.

In Gesprächen wird deutlich, wie groß der innere Konflikt ist. Viele berichten davon, warum sie diesen Beruf einmal gewählt haben: wegen der Nähe zu Menschen, wegen der Sinnhaftigkeit. Gleichzeitig beschreiben sie einen Arbeitsalltag, der diesen Anspruch immer häufiger konterkariert.

Gleichzeitig ist das Verantwortungsbewusstsein groß. Die Notdienstvereinbarungen werden eingehalten, lebenswichtige Bereiche bleiben abgesichert. Mehrere Beschäftigte betonen, dass sie genau darauf geachtet haben, niemanden zu gefährden.

Mehr als ein lokaler Konflikt

Personalmangel, steigende Belastung, wachsende Abwanderung aus Gesundheitsberufen. Der Warnstreik wird damit zu einem sichtbaren Zeichen eines Systems, das an seine Grenzen geraten ist. Für viele Streikende ist klar: Es geht nicht um kurzfristige Vorteile, sondern um die Frage, wie öffentliche Gesundheitsversorgung künftig funktionieren soll.

Ein Anfang, kein Ende

Als sich der Protestzug in Bewegung rund um das Universitätsklinikum in Bewegung setzt, werden Transparente hochgehalten, Parolen gerufen. Die Stimmung ist ruhig, fast sachlich – und gerade deshalb eindringlich. Der erste Streiktag ist kein lauter Knall, sondern ein deutliches Signal. Ein Signal von Menschen, die ihren Beruf ernst nehmen. Und die genau deshalb an diesem Tag nicht arbeiten. Die vergangenen Streiks im Gesundheitswesen zeigen: dies ist kein Sprint, sondern ein Marathonlauf. Der Erfolg hängt vom Durchhaltevermögen der Beschäftigten ab.

Fotos: ©Radio Leinewelle (Jutta Engelmayer)

Radio Leinewelle
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