Verkehrsunfallstatistik 2025: Weniger Unfälle in Göttingen – aber mehr Verletzte und neue Warnsignale bei Kindern

Leiter Einsatz der Polizeiinspektion Göttingen: Polizeidirektor Niklas Fuchs
© Polizeiinspektion Göttingen

Die Verkehrsunfallstatistik 2025 der Polizeiinspektion Göttingen ist am Dienstag vorgestellt worden. Präsentiert wurde sie von Polizeidirektor Niklas Fuchs, Leiter Einsatz der Polizeiinspektion Göttingen. Sein Fazit fällt differenziert aus: „Jeder schwere Verkehrsunfall [ist] einer zu viel.“ Genau das zeigt auch der Blick auf die Zahlen. Zwar ist die Zahl der registrierten Unfälle in Stadt und Landkreis Göttingen erneut gesunken, zugleich wurden aber mehr Menschen im Straßenverkehr verletzt. Positiv fällt auf, dass deutlich weniger Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben kamen und auch die Zahl der Schwerverletzten zurückging. Ohne die Unfälle auf den Bundesautobahnen A7 und A38 wurden 2025 insgesamt 7.649 Verkehrsunfälle registriert. Das sind 300 weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig stieg die Zahl der Unfälle mit Personenschaden von 987 auf 1.012. Die Polizei spricht deshalb von einer differenzierten Entwicklung: weniger Unfälle insgesamt, aber nicht automatisch mehr Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer. 

Weniger Tote, aber mehr Verletzte

Besonders auffällig ist der deutliche Rückgang bei den tödlichen Verkehrsunfällen. Während 2024 noch zwölf Menschen im Straßenverkehr ums Leben kamen, waren es 2025 noch vier. Auch die Zahl der Schwerverletzten sank von 148 auf 139. Gleichzeitig stieg die Zahl der Leichtverletzten von 1.028 auf 1.128. Damit zeigt die Statistik zwar weniger schwere Folgen als im Vorjahr, aber eben auch mehr verletzte Menschen insgesamt. Die Polizeiinspektion Göttingen betont, dass vor allem Geschwindigkeit, Ablenkung, unzureichender Abstand sowie Alkohol- und Drogeneinfluss weiterhin zu den wichtigsten Unfallursachen zählen. Als häufigste Ursache bei Unfällen mit Personenschaden wurde erneut unangepasste Geschwindigkeit genannt. 

Entwicklung in der Stadt Göttingen

Im Göttinger Stadtgebiet sank die Zahl der Gesamtunfälle von 3.591 auf 3.405. Auch die Unfälle mit Personenschaden gingen zurück, von 468 auf 449. Trotzdem ist die Entwicklung nicht durchweg positiv: Die Zahl der Schwerverletzten stieg in der Stadt von 28 auf 34, zudem kam ein Fußgänger bei einem Unfall ums Leben. Die Polizei weist darauf hin, dass der innerstädtische Verkehr besonders komplex ist, weil hier Fußgänger, Radfahrer, Autos, Busse und E-Scooter auf engem Raum zusammentreffen. Gerade deshalb bleibe es wichtig, den Schutz ungeschützter Verkehrsteilnehmer weiter zu verbessern. 

Lage im Landkreis Göttingen

Im Landkreis Göttingen wurden 2025 insgesamt 4.244 Verkehrsunfälle registriert, 114 weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig stieg dort die Zahl der Unfälle mit Personenschaden von 519 auf 563. Positiv ist jedoch, dass die Zahl der Getöteten im Landkreis deutlich von zwölf auf drei zurückging. Auch die Zahl der Schwerverletzten sank von 120 auf 105. Die Polizei sieht vor allem auf Landstraßen und außerörtlichen Verbindungen weiterhin ein hohes Risiko, weil dort höhere Geschwindigkeiten gefahren werden und Fehler entsprechend schwerere Folgen haben können. 

Kinder im Straßenverkehr als Warnsignal

Ein besonderes Warnsignal sieht die Polizei bei Kindern im Straßenverkehr. Die Zahl der verletzten Kinder bis 14 Jahre stieg 2025 von 50 auf 74. Davon wurden 70 Kinder leicht und vier schwer verletzt. Kein Kind kam ums Leben. Auffällig ist, dass sowohl Kinder zu Fuß, mit dem Fahrrad oder E-Scooter als auch Kinder als Mitfahrende in Fahrzeugen häufiger betroffen waren als im Vorjahr. Auch deshalb will die Polizei ihre Präventionsarbeit gemeinsam mit Partnern weiter ausbauen – etwa mit Schulwegsicherung, Fahrradparcours, Elternabenden und Verkehrssicherheitstagen. 

Junge Erwachsene und Senioren im Blick

Auch junge Erwachsene zwischen 18 und 24 Jahren bleiben eine zentrale Zielgruppe der Verkehrssicherheitsarbeit. Hier stieg die Zahl der Verletzten von 210 auf 228. Gleichzeitig sank die Zahl der Schwerverletzten in dieser Altersgruppe. Nach Einschätzung der Polizei sind vor allem nicht angepasste Geschwindigkeit, Vorfahrtsverstöße, zu geringer Sicherheitsabstand und Ablenkung entscheidende Faktoren. Bei den Seniorinnen und Senioren über 65 Jahren gab es dagegen eine positive Entwicklung: Die Zahl der Verletzten sank von 197 auf 183, ebenso gingen die schweren Folgen zurück. 

Radfahrer, Motorräder und E-Scooter

Erfreulich ist aus Sicht der Polizei außerdem die Entwicklung bei Rad- und Pedelecfahrenden im Göttinger Stadtgebiet. Dort sank die Zahl der verletzten Radfahrer von 216 auf 168. Dennoch bleiben Radfahrende besonders gefährdet, weil sie im Gegensatz zu Autofahrenden keinen direkten Schutz haben. Anders sieht es bei Motorradfahrern aus: Hier stieg die Zahl der Verletzten von 87 auf 93. Immerhin sank die Zahl der Schwerverletzten deutlich, und im Jahr 2025 gab es keinen tödlichen Kradunfall im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Göttingen. Bei E-Scootern hat sich das Unfallgeschehen auf hohem Niveau stabilisiert. Nach 76 Unfällen im Jahr 2024 registrierte die Polizei 2025 insgesamt 77 E-Scooter-Unfälle. Die Zahl der verletzten Fahrer sank leicht von 54 auf 53, gleichzeitig stieg die Zahl der Schwerverletzten von vier auf sechs. 

Autobahnen: weniger Unfälle, aber schwerere Folgen

Auf den Bundesautobahnen A7 und A38 ging die Zahl der Unfälle zwar ebenfalls zurück – von 887 auf 779. Allerdings nahmen die Unfälle mit Personenschaden deutlich zu, von 112 auf 137. Vier Menschen starben auf den Autobahnen, nachdem es 2024 dort keine tödlich Verletzten gegeben hatte. Besonders tragisch: Bei zwei tödlichen Unfällen waren die vorgeschriebenen Sicherheitsgurte nach Angaben der Polizei nicht angelegt. Die Polizei warnt deshalb eindringlich vor zu hoher Geschwindigkeit, zu geringem Abstand und mangelnder Aufmerksamkeit – gerade auf Autobahnen mit hohem Tempo und kurzen Reaktionszeiten. 

Verkehrssicherheit bleibt Daueraufgabe

Unterm Strich zeigt die Verkehrsunfallstatistik 2025 für Göttingen und den Landkreis also zwei Seiten: weniger Unfälle insgesamt und weniger Todesopfer auf der einen, mehr Verletzte und deutliche Warnsignale bei einzelnen Gruppen auf der anderen Seite. Besonders Kinder, junge Erwachsene und motorisierte Zweiradfahrer stehen weiter im Fokus. Polizeidirektor Niklas Fuchs machte bei der Vorstellung der Zahlen deutlich, dass Verkehrssicherheitsarbeit eine Daueraufgabe bleibt. Ein besonderer Schwerpunkt soll 2026 auf den Hauptunfallursachen Geschwindigkeit und mangelnde Fahrtüchtigkeit liegen. 

Radio Leinewelle
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.