Neue Feuer- und Rettungswache West: Grundstein für schnellere Hilfe in Göttingen gelegt

Die neue Feuer- und Rettungswache West soll die Versorgung im Göttinger Westen verbessern und moderne Arbeitsbedingungen für die Einsatzkräfte schaffen. Am Freitagmittag, 9. Oktober, wurde an der Holtenser Landstraße der Grundstein gelegt. Berufsfeuerwehr, Rettungsdienst und die Werkfeuerwehr von Sartorius sollen dort künftig einen gemeinsamen Standort erhalten. Die Inbetriebnahme ist in etwa zwei Jahren vorgesehen.

Wenn Feuerwehr oder Rettungsdienst gebraucht werden, zählt jede Minute. Genau hier setzt die neue Wache an: Sie soll helfen, Einsatzorte im Westen Göttingens schneller zu erreichen. Feuerwehrchef Frank Dittrich erläuterte im Interview mit Radio Leinewelle, dass die angestrebten Erreichungsgrade innerhalb der Hilfsfrist dort bislang nicht vollständig erreicht worden seien. Die Hilfsfrist beschreibt die vorgegebene Zeitspanne, innerhalb derer Einsatzkräfte am Einsatzort eintreffen sollen. Der Neubau folgt damit einem festgestellten Bedarf. Feuerwehrdezernent Christian Schmetz erinnerte bei der Grundsteinlegung daran, dass die Notwendigkeit einer Westwache bereits bei seinem Amtsantritt 2018 angesprochen worden sei. Als Beispiel nannte er die lange Strecke von der bestehenden Wache an der Breslauer Straße nach Esebeck.

Gemeinsamer Standort mit Sartorius

Auf einem rund 15.000 Quadratmeter großen Grundstück im Bereich Holtenser Landstraße und Europaallee entsteht ein Gebäude mit etwa 5.700 Quadratmetern Bruttogrundfläche. Rund 180 Mitarbeitende sollen den Standort künftig im Schichtbetrieb nutzen.Die Zusammenarbeit mit Sartorius besteht bereits: Nach Angaben Dittrichs sind Kräfte der Berufsfeuerwehr schon heute in der provisorischen Wache am Unternehmensstandort tätig. Mit der Fertigstellung sollen Berufsfeuerwehr, Rettungsdienst und Werkfeuerwehr in den Neubau einziehen. Die Freiwilligen Feuerwehren bleiben dabei ein wichtiger Bestandteil der Gefahrenabwehr. Eigene Räumlichkeiten sind für sie in der neuen Wache allerdings nicht vorgesehen. Dittrich betonte, dass die Berufsfeuerwehr über den Grundschutz hinaus auf ihre Unterstützung angewiesen sei.

Eine Feuer- und Rettungswache muss vor allem eines können: funktionieren

Frank Dittrich, Leiter der Berufsfeuerwehr Göttingen

GWG übernimmt Bau- und Projektsteuerung

Bauherrin ist die städtische Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung Göttingen, kurz GWG. Geschäftsführer Jens Düwel begründete diese Aufgabenverteilung im Interview mit Radio Leinewelle mit der Hochbauerfahrung seines Unternehmens und personellen Engpässen in der Stadtverwaltung. Hinzu komme die Einbindung der Sartorius-Werkfeuerwehr als Verbindung zur Wirtschaftsförderung.

Düwel bezifferte das Investitionsvolumen auf einen zweistelligen Millionenbetrag. Eine genauere Summe nannte er im Interview nicht. Zu den Kosten gehören neben dem Gebäude auch große Außen- und Übungsflächen sowie die Erschließung.Die GWG steuert außerdem Arbeiten zur Verkehrsanbindung im Umfeld. Dazu zählen nach Düwels Ausführungen bei der Feier auch Kreuzungsumbauten. Konkrete Termine oder Verkehrsregelungen wurden dabei noch nicht genannt.

Holzbau, Regenwasserrückhalt und bessere Rückzugsmöglichkeiten

Der Neubau wird in einer Holz-Beton-Hybridbauweise errichtet. Die stark beanspruchte Fahrzeughalle entsteht aus Beton, während für die darüberliegenden Bereiche mit Aufenthalts- und Ruheräumen Holz vorgesehen ist. Hinzu kommen Photovoltaik und Gründächer. Auch das Regenwasser soll auf dem Grundstück bleiben: Rückhaltebereiche und Versickerungsflächen sollen verhindern, dass es in die Regenwasserkanalisation eingeleitet werden muss. Damit greift das Projekt das Prinzip der Schwammstadt auf. Für die Einsatzkräfte bedeutet der Neubau zugleich eine Verbesserung ihres Arbeitsalltags. Neben Fahrzeughallen, Werkstätten und Schulungsräumen entstehen zeitgemäße Aufenthalts- und Ruhebereiche. Dittrich hob besonders die Rückzugsmöglichkeiten hervor, die bei langen Diensten wichtig seien. Eine mögliche zusätzliche Leitstelle wurde räumlich bereits mitgedacht. Nach Dittrichs Angaben laufen Gespräche mit Partnern; eine Entscheidung über ihre Einrichtung ist damit jedoch noch nicht verbunden. Wenn der vorgesehene Zeitplan eingehalten wird, könnte die neue Wache im Herbst 2028 ihren Betrieb aufnehmen. Oberbürgermeisterin Petra Broistedt verband die Grundsteinlegung mit einem Dank an die Einsatzkräfte: Wer Verantwortung für die Sicherheit anderer übernehme, brauche dafür bestmögliche Arbeitsbedingungen.

Konzeptbild Feuer- und Rettungswache West ©RSE
Radio Leinewelle
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