
Im Bereich des Göttinger Kiessees läuft aktuell eine umfangreiche Untersuchung auf mögliche Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg. Konkret wird eine rund 450 bis 500 Quadratmeter große Fläche abgesucht. Hintergrund sind Zeitzeugenberichte, wonach im April 1945 mehrere Lkw-Ladungen mit Munition im See verklappt worden sein sollen. Die Maßnahme dient der Risikobewertung vor einer geplanten Entschlammung des Gewässers. Bevor entsprechende Arbeiten ausgeschrieben und durchgeführt werden können, muss sichergestellt sein, dass sich keine gefährlichen Altlasten im Sediment befinden. Grundlage der aktuellen Suche sind unter anderem Zeitzeugenaussagen aus einem Presseaufruf im Jahr 2021 sowie Archivunterlagen, die auf Munitionsfunde in den 1950er- und 1960er-Jahren hinweisen.
Zeitzeugen berichten von Munition im See
Mehrere Zeitzeugen schilderten, dass kurz vor Kriegsende sechs bis sieben Lkw Munition im Bereich des heutigen Kiessees entsorgt haben sollen. In den Jahren danach hätten Kinder teilweise Kampfmittel aus dem Wasser geborgen – und sogar im Wald gezündet. Auch im Stadtarchiv finden sich Hinweise auf Munitionssichtungen noch Jahrzehnte nach Kriegsende. Allerdings fehlen aus früheren Räumaktionen oft detaillierte Dokumentationen. Genau diese unvollständigen Aufzeichnungen stellen Behörden heute vor Herausforderungen.
So läuft die Kampfmittel-Erkundung ab
Vor Ort sind Spezialisten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes (KBD) im Einsatz. Unterstützt werden sie von einer technischen Taucheinheit der Polizei. Insgesamt sind mehrere erfahrene Taucher beteiligt. Die Suche erfolgt in drei Stufen:
- Visuelle Absuche: Solange das Wasser klar genug ist, wird der Bereich zunächst optisch kontrolliert.
- Manuelle Sondierung: Falls nötig, wird das Sediment vorsichtig per Hand untersucht.
- Technische Ortung: Abschließend kommt ein Unterwassersuchgerät zum Einsatz, um metallische Gegenstände aufzuspüren.
Die Taucher arbeiten mit Pressluft. Je nach Training und Wassertemperatur – aktuell etwa 4 bis 5 Grad Celsius – bleiben sie zwischen einer und anderthalb Stunden unter Wasser.
Mögliche Evakuierung im Ernstfall
Sollten nicht transportfähige Kampfmittel entdeckt werden, könnte es kurzfristig zu einer Sperrung des Bereichs und zu kleineren Sprengungen kommen. Betroffen wären dann ausschließlich die nahegelegenen Bootshäuser. Die entsprechenden Vereine wurden im Vorfeld informiert. Spaziergängerinnen und Spaziergänger können den Bereich derzeit weiterhin nutzen. Nur im akuten Fall würde es vorübergehende Einschränkungen geben.
Warum die Untersuchung jetzt wichtig ist
Die geplante Entschlammung des Kiessees macht die Prüfung zwingend erforderlich. Kampfmittel im Sediment stellen ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar – sowohl für Bauarbeiten als auch für die Öffentlichkeit. Selbst wenn die Suche keine Funde ergibt, ist das ein wichtiges Ergebnis. Denn nur so kann langfristig Planungssicherheit geschaffen werden.
siehe auch hier
Radio Leinewelle begleitet die Entwicklungen rund um den Kiessee weiter und informiert über neue Erkenntnisse.
Foto: Eine Taucherin der Polizei bereitet sich auf ihren Einsatz vor. ©Radio Leinewelle (je)
