Weniger Gesamtstraftaten in Göttingen, aber mehr Messerangriffe und Einbrüche

Vicky Berkhan und Oliver Tschirner ©Polizeiinspektion Göttingen

Der Leiter des Zentralen Kriminaldienstes Kriminaldirektor Oliver Tschirner und seine Vertreterin Polizeioberrätin Vicky Berkhan (Foto) haben am vergangenen Freitag die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2025 für die Polizeiinspektion Göttingen vorgestellt. Diese zeigt auf den ersten Blick eine positive Entwicklung: Im vergangenen Jahr wurden im Zuständigkeitsbereich 23.166 Straftaten registriert. Das sind rund zehn Prozent weniger als 2024 mit 25.737 Fällen. Gleichzeitig sank jedoch auch die Aufklärungsquote leicht von 59,03 auf 58,35 Prozent und liegt damit weiter unter dem niedersächsischen Landesdurchschnitt von 62,72 Prozent.

Rückgang bei den Gesamtstraftaten

Nach Angaben der Polizei ist der Rückgang kein rein lokales Phänomen, sondern auch landesweit zu beobachten. Polizeipräsidentin Tanja Wulff-Bruhn bewertet die Entwicklung grundsätzlich positiv und verweist auf die Arbeit in den Dienststellen. Besonders ins Gewicht fällt dabei die deutlich gesunkene Zahl der Fahrraddiebstähle. Zudem hat sich die veränderte Rechtslage durch das Konsum-Cannabisgesetz auf die Statistik ausgewirkt, weil bestimmte Delikte rund um den Besitz geringer Mengen Cannabis nicht mehr als Straftaten erfasst werden.

Weniger Rohheitsdelikte, aber mehr Gewalttaten mit Messern

Bei den sogenannten Rohheitsdelikten – dazu zählen unter anderem Raub, Körperverletzung und Straftaten gegen die persönliche Freiheit – verzeichnet die Polizei erstmals seit Jahren wieder einen Rückgang. Die Fallzahl sank von 4.339 auf 4.086. Gleichzeitig stiegen jedoch die Gewaltdelikte innerhalb dieses Bereichs von 825 auf 871 Taten an.

Besonders auffällig ist der Anstieg bei den Messerangriffen. Wurden 2024 noch 101 Fälle registriert, waren es 2025 bereits 127. Nach Einschätzung der Polizei wird das Messer vor allem im Stadtgebiet Göttingen häufiger als Tatmittel eingesetzt. Als Reaktion wurde Anfang 2026 in der Innenstadt eine Waffenverbotszone eingerichtet. 

Gewalt gegen Einsatzkräfte rückläufig

Positiv bewertet die Polizei auch die Entwicklung bei Angriffen auf Polizeibeamte und Rettungskräfte. 2025 wurden 223 entsprechende Taten registriert, nach 293 im Vorjahr. Insgesamt wurden dabei 480 Polizeibeamtinnen und -beamte sowie 34 Rettungskräfte verletzt. Damit ist die Belastung für Einsatzkräfte zwar weiterhin hoch, die Fallzahlen sind aber deutlich gesunken.

Häusliche Gewalt leicht gesunken

Auch im Bereich Häusliche Gewalt ist ein leichter Rückgang zu erkennen. Die Zahl der Fälle sank von 1.378 auf 1.315. Die Polizei betont jedoch ausdrücklich, dass häusliche Gewalt kein privates Problem, sondern eine schwere Straftat ist. Auffällig: Während 2024 noch drei Hochrisikofälle bekannt wurden, gab es 2025 in der Polizeiinspektion Göttingen keinen einzigen solchen Fall.

Kinderpornographie und Sexualdelikte nehmen zu

Sorge bereitet den Ermittlern der Anstieg bei Fällen der Kinderpornographie. Hier stieg die Zahl von 222 auf 240 Fälle. Auch Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung legten insgesamt deutlich zu. Die Polizei sieht einen Grund dafür in einer stärkeren Sensibilisierung der Öffentlichkeit und einer besseren Aufhellung des Dunkelfeldes. Gerade bei jungen Menschen spielt zudem das unbedachte Teilen strafbarer Inhalte in Gruppenchats oder nach Beziehungsenden eine immer größere Rolle. Die Polizei setzt hier verstärkt auf Präventionsarbeit an Schulen und in Jugendeinrichtungen.

Fahrraddiebstahl deutlich zurückgegangen

Besonders markant ist die Entwicklung beim Fahrraddiebstahl. Nach 2.803 Fällen im Jahr 2024 wurden 2025 noch 1.817 Taten erfasst – ein Rückgang um rund 35 Prozent beziehungsweise fast 1.000 Fälle. Auch die Schadenssumme sank deutlich von 4.753.246 Euro auf 3.177.148 Euro. Die Polizei führt das auf verstärkte Kontrollen, hohe Präsenz, schnelle Ermittlungen und konsequente Maßnahmen gegen organisierte Tätergruppen zurück.

Mehr Wohnungseinbrüche, aber bessere Aufklärung

Ein gegenläufiger Trend zeigt sich beim Wohnungseinbruchdiebstahl. Hier stiegen die Fallzahlen von 251 auf 329 Taten, also um 31 Prozent. Immerhin verbesserte sich die Aufklärungsquote leicht von 15,54 auf 17,93 Prozent. Laut Polizei spielen dabei sowohl wirtschaftliche Belastungen als auch organisierte, überregional agierende Tätergruppen eine Rolle.

Weniger Straftaten durch junge Menschen

Auch die Jugenddelinquenz ist rückläufig. Die Zahl der bekannt gewordenen Straftaten durch Kinder, Jugendliche und Heranwachsende sank um gut neun Prozent auf 2.027 Fälle. Gleichzeitig bleibt Gewalt unter jungen Menschen, insbesondere in Gruppen, ein zentrales Problemfeld. Vor allem Rohheitsdelikte wie Körperverletzung, Bedrohung oder Raub prägen diesen Bereich weiterhin.

Polizei sieht Licht und Schatten

Unterm Strich fällt die Bilanz der Polizeiinspektion Göttingen gemischt aus: Insgesamt gehen die Straftaten zurück, bei einzelnen Deliktsfeldern gibt es aber weiterhin eine besorgniserregende Entwicklung. Dazu zählen insbesondere Messerangriffe, Wohnungseinbrüche sowie Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Gleichzeitig zeigen die sinkenden Zahlen bei Fahrraddiebstählen, häuslicher Gewalt und Jugenddelinquenz, dass gezielte Maßnahmen Wirkung entfalten können.

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