
Das Gänseliesel gehört zu Göttingen wie die Universität und der Marktplatz. Seit über 125 Jahren steht die Brunnenfigur im Zentrum der Stadt – als Wahrzeichen, Treffpunkt und Symbol einer lebendigen Stadtgesellschaft. Gleichzeitig ist das Gänseliesel mehr als nur eine Statue: Es ist auch eine reale Person, die jährlich gewählt wird und Göttingen bei Veranstaltungen repräsentiert. Genau diese doppelte Bedeutung macht das Gänseliesel so besonders – und stellt das Stadtmarketing nun vor eine spannende Herausforderung.
Mit der Einführung einer Playmobilfigur bekommt das Gänseliesel eine neue, dritte Form. Die Idee dahinter ist ebenso einfach wie strategisch: ein emotionales, niedrigschwelliges Produkt zu schaffen, das Menschen mit Göttingen verbindet – unabhängig davon, ob sie hier leben, studiert haben oder die Stadt nur besucht haben. „Ein Erinnerungsstück, das in die Hosentasche passt“, beschreibt Petra Aschenbach, Geschäftsführerin von Göttingen Marketing, den Ansatz. „Es kommt kaum eine nüchterne Anfrage – fast jeder verbindet mit dem Gänseliesel eine persönliche Geschichte“, so Aschenbach.
Das Playmobil Gänseliesel ist mehr als ein klassisches Souvenir. Sie steht exemplarisch für eine moderne Form des Stadtmarketings, die nicht nur auf Sichtbarkeit, sondern vor allem auf Emotion setzt. Denn das Gänseliesel ist für viele Menschen mit persönlichen Erinnerungen verbunden: das erste Semester, der Studienabschluss, der Kuss auf dem Brunnen. Genau diese Geschichten werden nun Teil der Strategie.
Wir wollten ein Erinnerungsstück schaffen, das viele Zielgruppen anspricht und emotional aufgeladen ist.
Petra Aschenbach. Geschäftsführerin Göttingen Marketing GmbH
Die Entwicklung der Figur erfolgte dabei nicht im Alleingang. Stadt, Museum und weitere Partner waren beteiligt, um historische Details – etwa Kleidung und Darstellung – möglichst authentisch umzusetzen. Gleichzeitig sollte die Figur auch spielerisch funktionieren und verschiedene Zielgruppen ansprechen. Das Ergebnis ist ein Produkt, das sowohl im Kinderzimmer als auch auf dem Schreibtisch seinen Platz finden kann. Spannend ist vor allem die strategische Einbettung: Die Playmobilfigur ist bewusst nicht nur als Verkaufsartikel gedacht. Sie wird aktiv in Kommunikationsmaßnahmen integriert. Über Social Media sollen Nutzerinnen und Nutzer die Figur mit auf Reisen nehmen, fotografieren und ihre eigenen Geschichten teilen. Erste Exemplare sind bereits international unterwegs – ein Ansatz, der das Gänseliesel als globales Symbol positionieren könnte.
Gleichzeitig zeigt das Projekt auch die Grenzen von Marketing. Denn so stark die Figur als Symbol funktioniert, so schwierig ist es, die gesamte Bedeutung des Gänseliesels abzubilden. Die lebendige Tradition, die Rolle als gewählte Repräsentantin und die lokale Identität lassen sich nur bedingt in eine standardisierte Spielfigur übersetzen. Hier entsteht ein Spannungsfeld zwischen Authentizität und Vereinfachung.
Genau in diesem Spannungsfeld liegt jedoch auch die Chance. Die Playmobil Gänseliesel kann als Einstieg dienen – als Türöffner für Geschichten, Traditionen und persönliche Erinnerungen. Sie ersetzt nicht das Original, sondern ergänzt es um eine neue, transportable Ebene.
So wird aus einer kleinen Figur ein großes Experiment: Wie lässt sich lokale Identität in eine globale, greifbare Form übersetzen? Die Antwort darauf wird nicht allein im Verkauf liegen, sondern in den Geschichten, die Menschen mit dieser Figur erzählen. Die enormen positiven Reaktionen in den sogenannten Sozialen Medien bestätigen diesen Eindruck.
