
Die Debatte um die Behelfsbrücke am Wendebach in Friedland spitzt sich weiter zu. Was als pragmatische Übergangslösung gedacht war, ist inzwischen zu einem komplexen Konflikt zwischen Kommune, Landkreis und Landesbehörden geworden – mit offenem Ausgang. Nach der Sperrung der ursprünglichen Brücke wurde kurzfristig eine Behelfsbrücke installiert, um insbesondere Fußgängern und Radfahrern eine sichere Querung zu ermöglichen. Die Initiative dafür ging maßgeblich auf Marcel Riethig zurück. Doch genau diese Lösung steht nun vor dem Aus: Bereits Mitte April soll die Brücke wieder abgebaut werden. Das Problem: Eine echte Alternative gibt es nicht. Wer die Strecke weiterhin nutzen will, muss auf eine stark befahrene Landesstraße ausweichen – mit erheblichen Risiken, insbesondere für Schülerinnen und Schüler. Oder weite Umwege in Kauf nehmen.
Breite Kritik vor Ort: Sicherheit in Gefahr
Vor Ort wächst der Widerstand. In einer gemeinsamen Erklärung warnen alle Fraktionen im Rat der Gemeinde Friedland vor einer „gefährlichen Fehlentscheidung“. Sie fordern, die Brücke mindestens so lange zu erhalten, bis eine dauerhafte Lösung geschaffen ist. Die Botschaft ist klar: Der geplante Rückbau würde eine bereits entschärfte Gefahrenlage wieder verschärfen.
Zuständigkeiten ungeklärt – Verantwortung umstritten
Parallel dazu eskaliert der Streit um Zuständigkeiten. Der Landkreis Göttingen verweist darauf, dass die Verantwortung bei der Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr liegt. Als Baulastträger ist sie für Planung, Prüfung und Sicherheit der Verkehrsführung zuständig. Gleichzeitig stellt die Kreisverwaltung klar, dass die Behelfsbrücke keine offizielle Maßnahme der Landesbehörde sei und wesentliche formale Verfahren nicht eingehalten worden seien. Brisant: Eine kurzfristige Lösung wäre offenbar möglich. Laut Landkreis könnte der Bürgermeister von Friedland durch eine Vereinbarung mit der NLStBV die Nutzung der Brücke rechtlich absichern. Doch bislang ist eine solche Einigung nicht zustande gekommen.
Offener Brief an Minister erhöht den Druck
Zusätzliche Dynamik erhält die Debatte durch einen offenen Brief von Bärbel Diebel-Geries, stellvertretende Landrätin des Landkreises Göttingen, an den zuständigen Landesminister. Darin kritisiert sie das Vorgehen deutlich und formuliert einen zentralen Vorwurf:
„Schwerwiegend ist vielmehr, dass […] der Staat […] formal eine für alle plausible Lösung verhindert, schlicht das Interesse der Bürgerinnen und Bürger ignoriert und damit in ihren Augen versagt.“
Die Behelfsbrücke sei aus ihrer Sicht weiterhin die sinnvollste Lösung, bis eine neue Brücke gebaut wird. Eine mehrjährige Umleitung bezeichnet sie indirekt als unzureichend und sicherheitskritisch. Zugleich richtet sich ihre Kritik auch gegen die Rolle der Landesbehörde, die aus ihrer Sicht zu stark formal und zu wenig bürgernah agiere.
Schlüsselrolle ohne klare Stimme
Auffällig bleibt dabei die Rolle der Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. Obwohl sie als Baulastträger eine zentrale Funktion innehat, fehlt bislang eine klare öffentliche Positionierung. Entscheidungen und Bewertungen werden zwar indirekt sichtbar, eine transparente Kommunikation gegenüber der Öffentlichkeit bleibt jedoch aus. Genau diese Zurückhaltung trägt maßgeblich zur weiteren Eskalation bei.
Neue politische Entwicklung: Riethig kandidiert erneut
In diese ohnehin angespannte Lage hinein kommt eine weitere Entwicklung: Der zur Zeit durch das niedersächsische Innenministerium suspendierte Landrat Marcel Riethig hat angekündigt, erneut für das Amt des Landrats zu kandidieren – diesmal als unabhängiger Kandidat. Damit bekommt die Brückenfrage eine zusätzliche politische Dimension. Denn die Behelfsbrücke ist eng mit seinem Handeln verbunden. Für Unterstützer steht sie für pragmatisches Problem lösen, für Kritiker für ein Vorgehen außerhalb klarer Verfahren.
Ulf Engelmayer
Foto: ©Radio Leinewelle (ue)
