
Das Deutsches Theater Göttingen blickt auf eine insgesamt erfolgreiche Spielzeit 2024/25 zurück – zumindest, wenn man die Zahlen betrachtet. Mit einer Auslastung von rund 84 Prozent liegt das Haus deutlich über dem langjährigen Durchschnitt. Mehr als 91.000 Besucherinnen und Besucher fanden den Weg ins Theater. Intendant Erich Sidler sieht darin eine klare Bestätigung des eingeschlagenen Kurses: weniger Produktionen, dafür gezielter eingesetzt – und vor allem besser ausgelastet.
Publikumserfolg quer durch alle Formate
Besonders stark zeigt sich das Theater im Bereich der Familien- und Jugendstücke. Hier wurden teilweise Auslastungen von über 90 Prozent erreicht. Produktionen wie „Der Zauberer von Oz“ oder die Wiederaufnahme von „Momo“ entwickeln sich zu echten Publikumsmagneten und sprechen längst nicht mehr nur Kinder an, sondern ganze Familien – und sogar Studierende. Auch andere Inszenierungen überzeugen: Klassiker, literarische Stoffe und moderne Produktionen laufen häufig über mehrere Spielzeiten hinweg erfolgreich weiter. Das zahlt sich nicht nur künstlerisch, sondern auch wirtschaftlich aus.

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Erich Sidler, Intendant
Finanzielle Realität: Einsparungen und Unsicherheit
So positiv die künstlerische Bilanz ausfällt, so angespannt ist die finanzielle Lage. Verwaltungsdirektorin Sandra Hinz machte deutlich, dass steigende Kosten bei gleichzeitig stagnierenden Zuschüssen das Theater zunehmend unter Druck setzen. Bereits jetzt wurden Einsparungen in Höhe von rund 700.000 Euro umgesetzt. Produktionen wurden gestrichen, Budgets gekürzt, Investitionen verschoben. Besonders kritisch: Die Rücklagen, die bislang als Puffer dienten, könnten bereits 2027 vollständig aufgebraucht sein.
Weniger Risiko – weniger Vielfalt?
Die Konsequenzen dieser Entwicklung sind deutlich spürbar. Künftig müsse deutlich vorsichtiger geplant werden, so Sidler. Riskante oder experimentelle Produktionen könnten seltener werden. Das hat direkte Auswirkungen auf das künstlerische Profil: Eine solche Entwicklung führe letztlich zu einer „Verarmung des Spielplans“, so Sidler. Damit steht nicht weniger als die künstlerische Freiheit des Theaters auf dem Spiel – ein zentraler Bestandteil seiner Aufgabe.
Lichtblick: Begeisterung fürs Theater bleibt
Trotz aller Herausforderungen zeigt sich: Das Publikum ist da. Produktionen wie die „Rocky Horror Show“ sind innerhalb kürzester Zeit ausverkauft, Zusatztermine bereits eingeplant. Das unterstreicht, wie wichtig das Theater für die Region ist – und wie groß das Interesse an Kultur in Göttingen weiterhin bleibt.
Zwischen Erfolg und Zukunftssorgen
Die Bilanz des Deutschen Theaters fällt damit zweigeteilt aus: wirtschaftlich effizienter und publikumsstärker als je zuvor – gleichzeitig aber mit wachsendem Druck auf Finanzierung und künstlerische Freiheit. Oder, zugespitzt formuliert von Intendant Sidler: „Wir haben keine Reserven mehr – weder im Personal noch in den Sachkosten.“ Ein Satz, der deutlich macht: Die kommenden Spielzeiten werden entscheidend sein.
Ulf Engelmayer
Fotos: ©Radio Leinewelle (Jutta Engelmayer)
