
Nach der mutmaßlich politisch motivierten Beschädigung von Stolpersteinen in Göttingen hat die Stadt schnell reagiert und weitere Fälle im gesamten Stadtgebiet festgestellt. Neben den bereits bekannt gewordenen beschädigten Gedenksteinen in der Düsteren Straße wurden auch in der Groner Straße, im Papendiek sowie in der Weender Straße ähnliche Verunreinigungen entdeckt.
Stadt und Initiativen reagieren mit schneller Reinigung
Die Stadtverwaltung ließ die betroffenen Stolpersteine kurzfristig reinigen. Unterstützung kam dabei auch von engagierten Bürgerinnen und Bürgern, unter anderem aus der Gesellschaft für Christlich-jüdische Zusammenarbeit, die am Wochenende selbst aktiv wurden. Nach Angaben der Stadt handelte es sich bei der Substanz um Klebstoff, der mithilfe von Schabern entfernt werden konnte. Parallel überprüft der Bauhof derzeit sämtliche im Stadtgebiet verlegten Stolpersteine auf mögliche weitere Beschädigungen.
Klare Worte aus dem Rathaus
Göttingens Oberbürgermeisterin Petra Broistedt verurteilte die Vorfälle deutlich. Die Angriffe richteten sich nicht nur gegen einzelne Gedenksteine, sondern gegen grundlegende Werte des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Antisemitismus dürfe weder in Göttingen noch darüber hinaus einen Platz haben, so die klare Haltung aus dem Rathaus.
CDU spricht von Angriff auf die Erinnerungskultur
Auch aus Teilen der Politik kommt scharfe Kritik. Der CDU-Stadtverband Göttingen spricht von einem gezielten Angriff auf die Erinnerungskultur und findet deutliche Worte. „Wer Stolpersteine beschädigt, verrät die Opfer und macht sich gemein mit dem entrechtenden, folternden und mordenden NS-Regime. Welch verabscheuungswürdige Tat!“, so Nicole Salditt, Mitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und Mitgliederbeauftragte des CDU Stadtverbandes Göttingen
Weiter wird betont, dass es sich nicht um bloße Sachbeschädigung handele, sondern um eine gezielte Verhöhnung der Opfer des Nationalsozialismus. Angesichts zunehmender antisemitischer Tendenzen sei dies ein alarmierendes Signal für die gesamte Gesellschaft.
Wenn vor allem auch junge Menschen das Existenzrecht Israels leugnen und immer häufiger antisemitische Narrative verbreiten, dann ist das ein schockierendes Alarmsignal für unsere Gesellschaft. Diesen Hass will und werde ich in dieser Stadt nicht akzeptieren.
Dr. Ehsan Kangarani, Oberbürgermeisterkandidat für die Stadt Göttingen
Die CDU fordert ebenso wie andere Akteure eine klare und parteiübergreifende Haltung gegen Antisemitismus. Auch mit Blick auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen wird betont, dass der Schutz jüdischen Lebens und die Bewahrung der Erinnerungskultur zentrale Aufgaben bleiben.
Erinnerungskultur unter Druck
Die Stolpersteine, ein europaweites Projekt des Künstlers Gunter Demnig, erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus und sind bewusst im Alltag sichtbar. Gerade deshalb treffen Angriffe auf diese Gedenkorte einen sensiblen Kern der historischen Verantwortung.
Deshalb ist die schnelle Reinigung der Stolpersteine ist ein wichtiges Signal – doch noch wichtiger ist die gesellschaftliche Reaktion. Wenn Erinnerung angegriffen wird, entscheidet sich, wie ernst eine Gesellschaft ihre Geschichte nimmt.
Ulf Engelmayer
Foto: ©Radio Leinewelle (ue)
