Göttingen: Stadt und Politik verurteilen Attacke auf Regenbogentreppe und Gedenkort

Göttingen. Nach der Farbattacke auf die Regenbogentreppe am Albaniplatz und die Gedenktafel zur Erinnerung an die nationalsozialistische Bücherverbrennung haben Stadtverwaltung und Politik die Tat scharf verurteilt. In der Nacht zum Mittwoch hatten Unbekannte die Regenbogentreppe mit den Farben Schwarz-Rot-Gold übersprüht, die Gedenktafel beschmiert und nach Angaben mehrerer politischer Akteure zudem rechtsradikale und queerfeindliche Parolen hinterlassen. Die Stadt Göttingen kündigte an, Anzeige gegen Unbekannt zu erstatten.

Die Stadtverwaltung spricht von einem Angriff auf die Grundwerte des demokratischen Zusammenlebens. Oberbürgermeisterin Petra Broistedt erklärte, die Taten seien „ein ekelhafter Angriff auf die Werte unserer offenen und demokratischen Gesellschaft“. Göttingen stehe für Vielfalt, Menschenwürde, Toleranz und eine lebendige Erinnerungskultur. Die verbleibenden Schmierereien sollen nach Angaben der Stadt schnellstmöglich entfernt werden.

Bereits am Mittwochmorgen hatten Schülerinnen und Schüler des Max-Planck-Gymnasiums gemeinsam mit einem Lehrer die Regenbogenfarben auf der Treppe wiederhergestellt. Die Stadt würdigte dieses Engagement als deutliches Zeichen gegen Einschüchterung und Hass.

Der Ort besitzt für Göttingen eine besondere symbolische Bedeutung. Die Gedenktafel erinnert an die Bücherverbrennungen der Nationalsozialisten im Jahr 1933. Die Regenbogentreppe wurde anlässlich des Christopher Street Day gestaltet und steht als sichtbares Symbol für Vielfalt, Akzeptanz und Toleranz in der Stadtgesellschaft.

Auch die SPD Göttingen verurteilt die Vorfälle. Oberbürgermeisterkandidat Florian Dinger sieht in der Kombination aus übermalter Regenbogentreppe, beschädigtem Gedenkort und politischen Parolen einen gezielten Angriff auf Demokratie, Erinnerungskultur und queere Sichtbarkeit. Der SPD-Stadtverbandsvorsitzende Fabian Möller sprach von einem besorgniserregenden Zusammenhang mit weiteren Vorfällen der vergangenen Monate, darunter beschädigte Stolpersteine und rechtsextreme Aktivitäten im Stadtgebiet.
Ähnlich äußern sich die Göttinger Grünen. Sie bewerten die Tat als gezielten Angriff auf queere Sichtbarkeit zu Beginn des Pride Month. Nach Einschätzung des Kreisverbandes reiht sich der Vorfall in eine Serie queerfeindlicher und rechtsextremer Angriffe der vergangenen Monate ein. Vorstandsmitglied Carola Croll bezeichnete die Schmierereien als Angriff auf die demokratischen Grundwerte, während Jannik Scherer davor warnte, rechtsextremen Kräften öffentlichen Raum zu überlassen.

Auch die Göttinger Landtagsabgeordneten Marie Kollenrott, Pippa Schneider und Michael Lühmann verurteilten die Tat. Sie sprechen von einem Angriff auf queere Sichtbarkeit und die Erinnerungskultur und betonen, dass Göttingen eine offene und vielfältige Stadt bleibe, die sich gegen Hass und Rechtsextremismus stelle.

Die Hintergründe der Tat sind bislang unklar. Während die Stadt Strafanzeige erstattet, fordern politische Vertreter eine konsequente Aufklärung sowie erhöhte Aufmerksamkeit gegenüber rechtsextremen und queerfeindlichen Aktivitäten im öffentlichen Raum.

Foto: Regenbogentreppe am Albaniplatz ©Radio Leinewelle (ue)