
Rund 1.100 Menschen haben sich am Samstagabend an einer Demonstration unter dem Motto „Niemals allein – Antifa in die Offensive“ beteiligt. Die nicht angemeldete Versammlung führte vom Göttinger Bahnhof durch die Innenstadt und verlief nach Angaben der Polizei bis zum späten Abend ohne besondere Zwischenfälle. Der Aufruf zur Demonstration war zuvor über das Internet verbreitet worden. Hintergrund ist der Messerangriff auf einen 23-jährigen Göttinger in der Nacht zum 21. Juni im Ostviertel. Der Mann war dabei schwer verletzt worden. Die Ermittlungen der Polizei zu den Hintergründen und den Beteiligten dauern weiterhin an.
Flugblatt: Solidarität und Warnung vor rechter Gewalt
In einem auf der Demonstration verteilten Flugblatt erklären die Organisatorinnen und Organisatoren, sie wollten ihre Solidarität mit dem verletzten Antifaschisten zum Ausdruck bringen. Der Angriff werde als Teil einer zunehmenden gesellschaftlichen Rechtsentwicklung und einer Zunahme rechter Gewalt verstanden. Zugleich wird auf Angriffe gegen Frauen, queere Menschen, Menschen mit Migrationsgeschichte sowie politisch links engagierte Personen verwiesen. Die Solidarität gelte ausdrücklich allen Betroffenen rechter Gewalt – auch über Göttingen hinaus.
Polizei: Pyrotechnik gezündet, keine größeren Zwischenfälle
Der Demonstrationszug setzte sich gegen 20.30 Uhr vom Bahnhof in Bewegung und führte durch mehrere Straßen der Innenstadt. Die Polizei war mit Kräften aus Göttingen sowie Unterstützung der Zentralen Polizeidirektion Hannover im Einsatz. Zwei Wasserwerfer wurden vorsorglich als Reserve bereitgehalten, mussten jedoch nicht eingesetzt werden. Während des Aufzuges wurde nach Angaben der Polizei mehrfach Pyrotechnik gezündet. Darüber hinaus registrierten die Einsatzkräfte keine nennenswerten Zwischenfälle. Die Demonstration endete am späten Abend ohne größere Störungen. Die Kundgebung war bereits die zweite größere Demonstration innerhalb weniger Tage, die als Reaktion auf den Messerangriff organisiert wurde. Das Ereignis sorgt weiterhin für intensive Diskussionen über politische Gewalt und die Sicherheitslage in Göttingen.
Ulf Engelmayer
Foto: ©Radio Leinewelle (fh)
