Digitale Kunst im Großformat: Wie historische Bilder neu sichtbar gemacht werden

Die Ausstellungen zu Rembrandt und zuletzt zu Carsten Niebuhr haben im Göttinger Verlag der Kunst für Aufmerksamkeit gesorgt. Ein Grund dafür sind die großformatigen Reproduktionen historischer Grafiken und Drucke, die völlig neue Perspektiven auf bekannte Motive eröffnen. Doch wie entstehen solche Bilder eigentlich? Radio Leinewelle hat mit Heiko Dix von Schwab Scantechnik darüber gesprochen, wie historische Vorlagen digital vergrößert werden, welche technischen Herausforderungen dabei zu bewältigen sind und welche überraschenden Details erst durch die Vergrößerung sichtbar werden.



Radio Leinewelle:

Bei den Ausstellungen zu Rembrandt und Carsten Niebuhr haben wir Grafiken und Drucke in ungewöhnlichen Formaten gesehen. Was ist eigentlich das Ausgangsmaterial für solche Ausstellungen?

Heiko Dix:

Das Ausgangsmaterial sind in den meisten Fällen digitale Aufnahmen der Originale. Die eigentlichen Vorlagen bekomme ich selbst meist gar nicht zu Gesicht. Viele davon liegen in den Archiven der Universität Göttingen, bei der Rembrandt-Ausstellung kamen außerdem Daten aus Amsterdam und anderen Einrichtungen hinzu. Die Digitalisierungszentren – etwa hier in Göttingen – haben Zugriff auf die Originale und stellen uns die Dateien zur Verfügung. Dabei kann es sich um Bücher, Originaldrucke oder auch spätere Nachdrucke handeln.

Radio Leinewelle:

Besonders beeindruckend ist, dass viele Originale vergleichsweise klein sind, während die Ausstellungsstücke teilweise riesige Formate erreichen. Wo liegen die Herausforderungen?

Heiko Dix:

Unsere größten Bilder messen bis zu 1,40 Meter an der langen Seite – deutlich mehr als ein Poster. Zunächst muss geprüft werden, ob die vorhandenen Digitalisate überhaupt die notwendige Qualität besitzen. Danach testen wir, ob ein Motiv auch in dieser Größe noch funktioniert. Manche Bilder verlieren ihre Wirkung, wenn sie zu stark vergrößert werden. Anschließend werden die Dateien schrittweise vergrößert, Kontraste angepasst, störende Elemente entfernt und Details nachbearbeitet, bis das endgültige Format erreicht ist.

Radio Leinewelle:

Gibt es Vorbilder für diese Art der Präsentation historischer Werke?

Heiko Dix:

Mir ist kein vergleichbares Projekt bekannt. Sicherlich gibt es weltweit Menschen, die Ähnliches gemacht haben, aber die Rembrandt- und die Niebuhr-Ausstellung waren aus unserer Sicht etwas Besonderes. Allein die Idee, die Bilder in dieser Größe zu zeigen, ist außergewöhnlich. Die Grundidee entstand schon vor Jahren gemeinsam mit Gerhard Schwab im Zusammenhang mit der ursprünglich geplanten Rembrandt-Ausstellung.

Radio Leinewelle:

Gab es bei den Ausstellungen Überraschungen oder neue Erkenntnisse?

Heiko Dix:

Das Spannende sind vor allem die Details, die plötzlich sichtbar werden. In einem Buch sieht man meist nur das Motiv als Ganzes. Wird ein Bild jedoch auf einen Meter oder mehr vergrößert, treten Feinheiten hervor, die zuvor kaum wahrnehmbar waren. Licht, Schatten und Stimmungen kommen viel stärker zur Geltung. Gerade bei den Rembrandt-Radierungen konnte man beispielsweise die Führung der Nadel und die handwerkliche Technik des Künstlers viel genauer erkennen.

Radio Leinewelle:

Wie verlief die Zusammenarbeit mit der Universität Göttingen bei diesen Projekten?

Heiko Dix:

Die Zusammenarbeit war durchweg positiv. Natürlich müssen teilweise Bildrechte geklärt werden, und manche Prozesse dauern etwas länger. Wenn man solche Projekte frühzeitig plant, funktioniert die Zusammenarbeit aber sehr gut.

Radio Leinewelle:

Gibt es Ausstellungen oder Projekte, die Sie künftig gerne umsetzen würden?

Heiko Dix:

Neben den Ausstellungen beschäftigen wir uns mit vielen weiteren Aufgaben – von Digitalisierungen für Verlage bis hin zu Kinderbüchern. Dadurch kommen ständig neue und spannende Projekte auf den Tisch. Gerade diese Vielfalt macht die Arbeit so interessant.

Link: Rembrandt Ausstellung

Das Interview führte Ulf Engelmayer

Das Interview mit Heiko Dix zum Nachhören:

Fotos: ©Radio Leinewelle (je)

Radio Leinewelle
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