
Während für die Schülerinnen und Schüler Sommerferien sind, herrscht in vielen Göttinger Schulen Hochbetrieb. Mehrere Millionen Euro investiert die Stadt in diesem Sommer in Sanierungen, Rettungswege, neue Fachräume und energetische Verbesserungen. Wie aufwendig diese Arbeiten sind, zeigte ein Pressetermin im Max-Planck-Gymnasium, bei dem Stadtbaurat Frithjof Look und Schuldezernentin Maria Karaus die derzeit größte Fachraumsanierung vorstellten. Im Mittelpunkt steht der Chemiebereich des Gymnasiums. Was auf den ersten Blick wie eine gewöhnliche Baustelle wirkt, entpuppt sich als nahezu kompletter Neubau im Bestand. Die bisherigen Räume wurden vollständig entkernt. Fußböden, Leitungen und Decken werden erneuert, unter den Laborarbeitsplätzen entsteht eine neue Installationsebene für Wasser, Gas, Strom und Entwässerung. Auch Akustikdecken, Beleuchtung und Teile der Dachkonstruktion werden modernisiert. Die Fertigstellung ist für Dezember vorgesehen.
Für Stadtbaurat Frithjof Look ist die Baustelle beispielhaft für die Herausforderungen moderner Schulgebäude: „Von außen ist es ein altes Gebäude. Erst wenn man es öffnet, sieht man, was alles notwendig ist, um moderne pädagogische Konzepte umzusetzen.“ Gleichzeitig betonte er, dass Investitionen in Bildungsgebäude keine einmalige Aufgabe seien, sondern dauerhaft erfolgen müssten. Insgesamt fließen in diesem Sommer über 4,8 Millionen Euro in Göttingens Schulen. Die Chemiesanierung zeigt dabei eindrucksvoll, wie viel Technik heute hinter einem modernen Fachunterricht steckt. Alte Leitungen waren nach Jahrzehnten verschlissen. Deshalb entschieden sich die Planer für eine vollständige Erneuerung. Sämtliche Versorgungsleitungen werden neu verlegt und den heutigen Sicherheits- und Unterrichtsanforderungen angepasst. Überraschungen habe es dabei trotz des Alters des Gebäudes nicht gegeben, weil die Arbeiten sorgfältig vorbereitet worden seien.
Auch Schuldezernentin Maria Karaus macht deutlich, dass hinter den Ferienbaustellen weit mehr steckt als kosmetische Verbesserungen. Allein die Stadt Göttingen betreibt 20 Grundschulen, drei Förderschulen, drei Integrierte Gesamtschulen, fünf Gymnasien, ein Abendgymnasium sowie künftig eine Oberschule. Die Maßnahmen würden jedes Jahr gemeinsam zwischen Schul- und Bauverwaltung abgestimmt und kontinuierlich fortgeschrieben. Dass viele Arbeiten gerade in den Sommerferien stattfinden, hat einen einfachen Grund: Der Unterricht soll möglichst wenig beeinträchtigt werden. Während kleinere Maßnahmen bis zum Schulbeginn abgeschlossen sein sollen, laufen besonders komplexe Projekte wie die Chemieraumsanierung im Max-Planck-Gymnasium über mehrere Monate. Entscheidend sei dabei die enge Abstimmung mit den Schulen.
Mit einem Augenzwinkern fasste Frithjof Look das gute Zusammenspiel der beteiligten Ämter zusammen: „Die Chemie muss stimmen – zwischen Bauverwaltung und Schulverwaltung.“ Hinter dem Wortspiel steckt eine ernste Botschaft: Moderne Schulen entstehen nicht allein durch neue Gebäude, sondern durch die enge Zusammenarbeit von Pädagogik, Planung und Handwerk. Die Sanierung des Chemiebereichs im Max-Planck-Gymnasium ist damit weit mehr als eine Ferienbaustelle. Sie zeigt beispielhaft, wie aus einem in die Jahre gekommenen Fachraum ein Lernort entsteht, der den Anforderungen moderner Naturwissenschaften und den Sicherheitsstandards der kommenden Jahrzehnte gerecht werden soll.


Interview: Sommerbaustellen an Göttinger Schulen
Radio Leinewelle: Herr Look, warum haben Sie ausgerechnet das Max-Planck-Gymnasium als Beispiel für die diesjährigen Sommerbaustellen ausgewählt?
Frithjof Look: Das ist zwar nicht unsere größte Baustelle – die befindet sich derzeit an der Bonifatiusschule I –, aber hier wird sehr anschaulich, was eine moderne Fachraumsanierung bedeutet. Der Chemiebereich wird komplett erneuert: vom Fußboden bis zur Decke, einschließlich der Chemiesammlung. Man erkennt hier sehr gut, welcher technische und bauliche Aufwand hinter einem modernen Unterrichtsraum steckt.
Radio Leinewelle: Insgesamt investiert die Stadt in diesem Sommer rund 4,8 Millionen Euro in ihre Schulen. Welche Bedeutung haben diese Investitionen?
Frithjof Look: Wir erhöhen den Bauunterhalt für unsere Schulen kontinuierlich. Es geht darum, Gebäude dauerhaft zu erhalten und gleichzeitig an neue Anforderungen anzupassen. Neben kleineren Sanierungen investieren wir auch in große Neubauten und Erweiterungen. Das ist ein klares Bekenntnis zu einer leistungsfähigen Bildungsinfrastruktur.
Radio Leinewelle: Wie groß ist eigentlich das Schulnetz der Stadt Göttingen?
Maria Karaus: Wir betreuen 20 Grundschulen, drei Förderschulen, drei Integrierte Gesamtschulen, fünf Gymnasien, ein Abendgymnasium und ab dem kommenden Schuljahr zusätzlich eine Oberschule. Gemeinsam mit der Bauverwaltung stimmen wir jedes Jahr ab, welche Maßnahmen pädagogisch und baulich sinnvoll sind. Daraus entsteht unser jährliches Bauprogramm.
Radio Leinewelle: Solche Projekte müssen während der Sommerferien in kurzer Zeit vorbereitet und koordiniert werden. Wie groß ist dieser Aufwand?
Frithjof Look: Für die Sommerbaustellen kümmern sich bei uns zwei bis drei Kolleginnen und Kollegen sehr intensiv um Planung und Koordination. Dazu kommen die vielen beteiligten Handwerksfirmen. Gerade in den Ferien ist das eine Herausforderung, weil natürlich auch unsere Beschäftigten Urlaub haben. Trotzdem gelingt es jedes Jahr, die Arbeiten gut zu organisieren.
Radio Leinewelle: Wird der Zeitplan eingehalten?
Frithjof Look: Nach jetzigem Stand ja. Die Maßnahmen, die bis zum Ende der Sommerferien abgeschlossen werden sollen, werden grundsätzlich rechtzeitig fertig. Bei besonders umfangreichen Projekten – wie hier am Max-Planck-Gymnasium – dauert die Komplettsanierung allerdings bis Dezember. Das wird aber frühzeitig mit der Schule abgestimmt.
Radio Leinewelle: Frau Karaus, was wünschen Sie sich, wenn die Schülerinnen und Schüler nach den Ferien zurückkehren?
Maria Karaus: Man darf nicht vergessen: Das, was hier in wenigen Wochen gebaut wird, soll viele Jahre halten. Deshalb habe ich großen Respekt vor der Arbeit aller Beteiligten. Sie schaffen die Grundlage dafür, dass unsere Schulen auch in Zukunft gute Lernorte bleiben.
Ulf Engelmayer
Fotos: @Radio Leinewelle (Jutta Engelmayer)
