
Mit weißen Blättern und kurzen Botschaften haben Menschen am Tag der Deutschen Einheit in Göttingen für einen gesellschaftlichen und politischen Neuanfang demonstriert. Die Menschenkette war Teil einer bundesweiten Aktion des Bündnisses „Es brennt“.
Ein stiller Protest mitten in der Göttinger Innenstadt: Am Samstag, 3. Oktober, bildeten Menschen um 12 Uhr eine Kette vom Schwarzen Bären in der Kurzen Straße über die Lange Geismarstraße bis in die Kurze Geismarstraße. Sie hielten weiße Zettel oder kurze Informationen in den Händen. Angesichts globaler Krisen wollten sie ein Zeichen setzen – für den Schutz der Lebensgrundlagen, gesellschaftlichen Zusammenhalt und einen politischen Neuanfang. Die weißen Blätter standen dabei symbolisch für die Möglichkeit, neu anzufangen. Der bundesweite Ablauf sah zehn Minuten Schweigen vor, anschließend sollten die Teilnehmenden fünf Minuten lang ein weißes Blatt hochhalten.
Gemeinsam gegen Resignation
Im Interview mit Radio Leinewelle erläuterte Anneke Dorany, eine Göttinger Mitorganisatorin den Hintergrund: Die Zuspitzung der Klima- und Umweltkrisen habe den Anstoß gegeben. Zugleich gehe es um die Gefährdung der Demokratie und die Frage, wie Menschen angesichts dieser Entwicklungen gemeinsam handeln können. „Wir müssen eigentlich zusammenhalten, um unsere Lebensgrundlagen zu schützen“, sagte sie. Ziel sei es, Menschen über unterschiedliche Einstellungen und Religionen hinweg zusammenzubringen. Parteifahnen waren deshalb bewusst nicht erwünscht. Eingeladen waren alle, die das Anliegen teilen. Die Göttinger Menschenkette wuchs im Verlauf der Aktion deutlich an. Unter den Teilnehmenden waren Menschen aus unterschiedlichen Bereichen der Zivilgesellschaft. Ca. 200 Personen nahmen an der Aktion teil.
Fünf Menschen organisierten die Göttinger Aktion
Die bundesweite Initiative entstand nach Angaben der Mitorganisatorin aus einer Signalgruppe, die auf Initiative von Maiken Winter zusammengefunden hatte. Winter ist Mitinitiatorin von „Es brennt“ und Vorsitzende des Vereins WissenLeben. In Göttingen bereiteten fünf Menschen die Aktion vor. Sie verteilten Zettel und fragten unter anderem beim BUND und beim Klimabündnis nach Unterstützung. Wie viele Menschen tatsächlich kommen würden, war für das Organisationsteam bis zuletzt offen.
Ich bin sehr froh und berührt, dass so viele gekommen sind
Anneke Dorany
Bundesweit beteiligten sich laut einer Mitteilung des Bündnisses mehr als 20.000 Menschen in über 100 Städten und Gemeinden. Die Menschenketten hätten zusammen eine Länge von mehr als 25 Kilometern erreicht. Das Bündnis umfasst nach eigenen Angaben 120 Organisationen.
Ein Auftakt für weitere Aktionen
Für die Organisierenden soll es bei diesem Tag nicht bleiben. „Diese Menschenkette soll erst ein Anfang sein für weitere Aktionen“, erklärte die Göttinger Mitorganisatorin. Welche Schritte folgen, werde noch gemeinsam entwickelt. Im Mittelpunkt stehe zunächst, miteinander ins Gespräch zu kommen und Zusammenhalt aufzubauen.
Auch an die lokale Medien richtete sie einen Wunsch: Die konkreten Folgen der Krisen sollten stärker im Alltag der Region sichtbar werden. Wie erleben Landwirte die Veränderungen? Was bedeutet große Hitze für Menschen, die den ganzen Tag auf Baustellen arbeiten? Solchen Erfahrungen eine Stimme zu geben, könne helfen, die großen Fragen mit dem Leben vor Ort zu verbinden.
Ulf Engelmayer
Fotos: ©Radio Leinewelle Ulf Engelmayer




