Baubeginn am Waageplatz: Mehr Grün, neue Aufenthaltsräume und offene  soziale Fragen

Spatenstich für die Neugestaltung des Waageplatzes: Rund 1,25 Millionen Euro investiert die Stadt Göttingen in einen grüneren, klimaangepassten Innenstadtplatz. Doch mit der baulichen Umgestaltung verbinden sich auch Erwartungen an die Lösung langjähriger Nutzungskonflikte.

Der Umbau des Göttinger Waageplatzes hat begonnen. In Anwesenheit von Stadtbaurat Frithjof Look, Vertreterinnen und Vertretern des Sanierungsbeirats Nördliche Innenstadt, des Forums Waageplatz, der Anlieger und der Stadtverwaltung fand am Montag der symbolische Spatenstich statt. Die ausführende Baufirma Krebs hatte zu diesem Zeitpunkt bereits mit ersten Aushubarbeiten begonnen. Damit startet eines der größten Projekte im Sanierungsgebiet Nördliche Innenstadt. Innerhalb von etwa einem Jahr soll sich der bisher wenig einladende Platz zu einem grünen, vielseitig nutzbaren Aufenthaltsort entwickeln. Die Fertigstellung ist für Herbst 2027 vorgesehen.

Vom Durchgangsort zum grünen Treffpunkt

Die Neugestaltung geht auf einen freiraumplanerischen Wettbewerb aus dem Jahr 2023 zurück. Den Zuschlag erhielt das Dresdner Landschaftsarchitekturbüro Querfeldeins. Dessen Entwurf sieht verschiedene Aufenthaltsbereiche vor, die durch bepflanzte Inseln strukturiert werden. Neue Sitzgelegenheiten, Spiel- und Bewegungsmöglichkeiten sowie ein Fontänenfeld sollen den Platz insbesondere für Familien, Kinder, Jugendliche und die Nachbarschaft attraktiver machen. Für Stadtbaurat Frithjof Look ist die Umgestaltung allerdings mehr als eine optische Aufwertung. Der Platz soll künftig eine wichtige Verbindungsfunktion zwischen Innenstadt, Maschviertel, Bahnhof und Wallanlagen übernehmen.

Klimaanpassung und der Leinekanal

Ein wesentlicher Bestandteil der Planung ist die Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Großkronige Bäume sollen künftig Schatten spenden und die sommerliche Hitzebelastung reduzieren. Vorgesehen sind außerdem Staudenpflanzungen, regionale Blühflächen und Versickerungsmulden. Diese sollen Regenwasser aufnehmen und damit sowohl zur Starkregenvorsorge als auch zur Verbesserung des Mikroklimas beitragen. Ein öffentlicher Trinkwasserbrunnen ergänzt das Konzept. Auch der angrenzende Leinekanal soll stärker in die Platzgestaltung einbezogen werden. Wie Look im Gespräch mit Radio Leinewelle erläuterte, wird der Kanal selbst allerdings nicht baulich verändert. Stattdessen sollen neue Sichtachsen und ein Zugang über die sogenannte Pferdetränke das Wasser besser erlebbar machen. Damit konzentriert sich die ökologische Aufwertung zunächst auf den Platz selbst. Eine weitergehende Renaturierung des Leinekanals ist nicht Bestandteil dieser Maßnahme.

Städtebauliche Aufwertung trifft auf ungelöste soziale Konflikte

Die eigentliche Herausforderung des Waageplatzes geht allerdings über seine bisherige Gestaltung hinaus.

Der Platz ist seit Jahren Treffpunkt unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen. Gleichzeitig sorgen Drogenhandel, soziale Konflikte und Polizeieinsätze immer wieder für Diskussionen über Sicherheit und Aufenthaltsqualität. Im Interview mit Radio Leinewelle räumte Stadtbaurat Look ein, dass eine bauliche Neugestaltung allein keine Lösung für diese Probleme sein könne.

Natürlich können bauliche Maßnahmen nicht soziale Probleme lösen, aber wir können unseren Beitrag dazu leisten, dass wir hier Angebote für die Nachbarschaft hinbekommen.

Frithjof Look, Stadtbaurat Göttingen, im Gespräch mit Radio Leinewelle

Look setzt darauf, dass neue Aufenthaltsangebote und eine veränderte räumliche Struktur langfristig auch die Nutzung des Platzes verändern. Erfahrungen mit anderen umgestalteten öffentlichen Räumen in Göttingen stützten aus seiner Sicht diesen Ansatz. Ob sich diese Erwartung erfüllt, bleibt abzuwarten. Denn die Frage, wie unterschiedliche Bevölkerungsgruppen den Platz künftig gemeinsam nutzen können, ist nicht allein durch Landschaftsarchitektur zu beantworten. Entscheidend wird auch sein, welche sozialen und ordnungspolitischen Maßnahmen die bauliche Neugestaltung begleiten.

Bürgerbeteiligung als Grundlage der Planung

Die Planung des neuen Waageplatzes entstand in einem mehrjährigen Beteiligungsverfahren. Bereits vor rund vier Jahren wurden bei Veranstaltungen, Befragungen und einer Postkartenaktion Wünsche aus der Nachbarschaft gesammelt. Auch Kinder und Jugendliche wurden ausdrücklich einbezogen. Anschließend folgten der Planungswettbewerb und weitere Diskussionen im Sanierungsbeirat Nördliche Innenstadt. Look betonte im Interview, dass diese intensive Beteiligung zwar Zeit beansprucht habe, für den späteren Erfolg eines solchen Projekts aber unverzichtbar sei. Öffentliche Plätze müssten von den Menschen angenommen werden, die sie täglich nutzen.

Investitionen in die Nördliche Innenstadt

Die Stadt beziffert die Kosten für die Umgestaltung des Waageplatzes auf rund 1,25 Millionen Euro. Etwa 835.000 Euro stammen aus Fördermitteln von Bund und Land im Rahmen des Städtebauförderprogramms „Sozialer Zusammenhalt“. Darüber hinaus beteiligen sich die Staatsanwaltschaft und die BEKOS GmbH & Co. KG als angrenzende Grundstückseigentümer an weiteren Gestaltungsmaßnahmen. In seiner Rede bezifferte Look das gesamte Investitionsvolumen einschließlich dieser Maßnahmen auf rund 1,7 Millionen Euro.

Auch die Stockleffmühle bleibt ein Thema

Im Gespräch mit Radio Leinewelle ging Look auch auf die benachbarte historische Stockleffmühle ein. Deren weitere Entwicklung ist seit längerer Zeit Gegenstand von Planungen. Nach Angaben des Stadtbaurats wurde gemeinsam mit der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ein Architekturbüro gefunden, das sich nun intensiver mit dem denkmalgeschützten Gebäude und den notwendigen bodenarchäologischen Untersuchungen beschäftigt. Ein konkreter Zeitplan für die weitere Entwicklung wurde im Interview nicht genannt.

Infobox: Neugestaltung Waageplatz


EckdatenAngaben
Baubeginn26. Oktober 2026
Geplante FertigstellungHerbst 2027
SiegerentwurfQuerfeldeins, Dresden (2023)
Kosten StadtprojektCa. 1,25 Mio. Euro
Förderung Bund und LandCa. 835.000 Euro
Gesamtinvestition einschließlich AnliegermaßnahmenCa. 1,7 Mio. Euro
Ausführende BaufirmaKrebs
Städtebauförderung„Sozialer Zusammenhalt“

Text & Foto: Ulf Engelmayer

Radio Leinewelle
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