
Operieren lernen außerhalb des Klinikalltags: Ein mobiles Trainingslabor hat am Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende Station gemacht. Rund zwölf junge Ärztinnen und Ärzte übten dort unter anderem Eingriffe an Knie und Schulter.
Göttingen. Kamera führen, Instrumente bewegen und dabei die Bilder auf einem Monitor verfolgen: Gelenkoperationen über kleine Zugänge verlangen präzise Handgriffe und räumliche Orientierung. Am Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende (EKW) konnten junge Ärztinnen und Ärzte diese Fertigkeiten in einem eigens ausgestatteten Lkw trainieren. Wie das Krankenhaus mitteilt, nutzten rund ein Dutzend Nachwuchsmedizinerinnen und -mediziner der Unfallchirurgie und Orthopädie das Angebot. Der etwa zwölf Meter lange Auflieger beherbergt das „Arthrex MobileLab“ mit mehreren chirurgischen Trainingsplätzen. Nach Angaben des EKW war das mobile Labor bereits zum fünften Mal am Krankenhaus zu Gast.
Gelenkoperationen Schritt für Schritt üben
Im Mittelpunkt standen arthroskopische und weitere minimalinvasive Verfahren. Bei einer Arthroskopie, auch Gelenkspiegelung genannt, werden eine Kamera und spezielle Instrumente über kleine Zugänge in ein Gelenk eingeführt. Die Kamera überträgt die Bilder auf einen Bildschirm. An Humanpräparaten – menschlichen Körperpräparaten für die medizinische Ausbildung – übten die Teilnehmenden den Umgang mit den Instrumenten und erkundeten anatomische Strukturen. Schwerpunkte waren Knie- und Schulteroperationen. Auch Übungen zur Hand- und Fußchirurgie waren möglich. Zum Programm gehörten unterschiedliche Techniken zur Versorgung des Meniskus und zur Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes. Oberärzte der Abteilung und Schulungspersonal begleiteten die Übungen.
Zeit für Fragen und wiederholte Handgriffe
Jeder Assistenzärztin und jedem Assistenzarzt standen laut Krankenhaus rund anderthalb Stunden für praktische Übungen zur Verfügung. Dabei konnten einzelne Arbeitsschritte wiederholt und Fragen unmittelbar besprochen werden. Assistenzärztin Josefine Richter beschreibt den Nutzen so: „Man kann sich intensiv mit den Verfahren beschäftigen, Fragen stellen und einzelne Schritte in Ruhe ausprobieren.“ Organisiert wurde die Fortbildung von Raphael Stadler, geschäftsführender Oberarzt der Unfallchirurgie und Orthopädie. Er sieht im gemeinsamen Training eine Möglichkeit, theoretisches Wissen mit praktischer Erfahrung zu verbinden. Das Training soll nach Darstellung des Krankenhauses auf die weitere Ausbildung im Operationssaal vorbereiten. Dort werden einzelne Schritte anschließend unter fachärztlicher Anleitung übernommen.
Ulf Engelmayer
Fotos: EKW /Rampfel


