Hörsaal 001 im Zentralen Hörsaalgebäude der Uni Göttingen besetzt

Göttingen. Studierende haben am Montagmorgen (08. Juni) den Hörsaal 001 im Zentralen Hörsaalgebäude (ZHG) der Universität Göttingen besetzt. Hintergrund der Aktion ist ein seit Monaten andauernder Konflikt um das sogenannte „Autonomicum“, einen von Studierenden selbstverwalteten Raum auf dem Campus.

Die Besetzerinnen und Besetzer fordern die Rückgabe des bis November vergangenen Jahres genutzten Raumes an die Studierendenschaft. Bis zu einer Einigung mit der Universität soll der besetzte Hörsaal als Ersatzraum dienen. Dort seien tägliche Plena, Workshops, Co-Working-Angebote und gemeinsame Mahlzeiten geplant.

Nach Angaben der Studierenden existiert das Autonomicum seit mehr als 25 Jahren als selbstverwalteter Treffpunkt für unterschiedliche Hochschulgruppen. Im vergangenen November sei der Raum durch die Universität geschlossen worden. Die anschließenden Verhandlungen hätten bislang keine Lösung gebracht.

„Nachdem die Uni unseren Raum ohne Rücksprache geschlossen hat, wurde uns in den Verhandlungen keine Möglichkeit zugesichert, den Raum in seiner ursprünglichen Form zurückzuerhalten. Stattdessen wurden wir monatelang hingehalten. Es reicht! Wir wollen unser Autonomicum zurück!“, erklärt Johanna im Namen der Besetzerinnen und Besetzer.

Die Hochschulleitung weist die Darstellung einer grundlosen Schließung zurück. Nach Angaben der Universität war der autonome Raum im Mehrzweckgebäude (MZG) von einem Schädlingsbefall betroffen. Ursache seien vermutlich mitgebrachte Sofas, unverpackte Lebensmittel sowie Öffnungen unter den Fenstern gewesen. Der Raum sei in den vergangenen Monaten entseucht, gereinigt und renoviert worden. Zudem seien die Zugänge in der Gebäudefassade verschlossen worden.

Nach Angaben der Universität befindet sich das Präsidium derzeit weiterhin in Gesprächen mit den Studierenden über die künftige Nutzung des Raumes. Eine endgültige Entscheidung sei bislang nicht getroffen worden.

Die Besetzer betonen ihrerseits, dass die Aktion nicht dauerhaft angelegt sei. Ziel sei es, die Veranstaltungen möglichst bald wieder in das Autonomicum zu verlegen und den Hörsaal an den regulären Universitätsbetrieb zurückzugeben. „Wir nutzen den Hörsaal als Ersatz für den Raum, der uns genommen wurde: Wir treffen uns hier, plenieren, arbeiten, leben uns kreativ aus und verbringen Zeit zusammen. Alle Studierenden sind eingeladen, im Hörsaal dabei zu sein“, so Leonie aus dem Kreis der Besetzerinnen und Besetzer.

Auswirkungen auf den Lehrbetrieb soll die Aktion nach Angaben der Universität zunächst nicht haben. Alle Veranstaltungen, die für Montag im besetzten Hörsaal ZHG 001 vorgesehen waren, könnten in andere Räume innerhalb des Gebäudes verlegt werden.

Wie sich die Situation weiterentwickelt, dürfte auch davon abhängen, ob die laufenden Gespräche zwischen Universitätsleitung und Studierendenvertretung in den kommenden Tagen zu einer Annäherung führen.

Ulf Engelmayer