Junges Theater Göttingen verabschiedet Intendant Nico Dietrich – „Theater ist Mannschaftssport und keine Solo-Nummer“

Mit einer bewegenden Feierstunde im Innenhof des Jungen Theaters haben zahlreiche Gäste, Weggefährten, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Kultur, Politik und Gesellschaft den langjährigen Intendanten Nico Dietrich verabschiedet. Nach zwölf Jahren an der Spitze des Hauses übergibt Dietrich die künstlerische Leitung an seine Nachfolgerin Angelika Zacek.

In den Reden des Abends wurde deutlich, wie eng die Entwicklung des Jungen Theaters in den vergangenen Jahren mit Dietrichs Wirken verbunden ist. Als er 2014 nach Göttingen kam, befand sich das Theater in einer schwierigen Situation. Gemeinsam mit seinem Team gelang es ihm, das Haus zu stabilisieren, neue Spielorte zu erschließen und das Junge Theater zu einem der wichtigsten Kulturanbieter in Südniedersachsen weiterzuentwickeln. Besonders eindrucksvoll war Dietrichs eigene Abschiedsrede. Statt sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, rückte er die Menschen hinter den Kulissen in den Fokus. Sein wohl prägendstes Zitat des Abends lautete:

Theater ist Mannschaftssport und keine Solo-Nummer.

Mit diesen Worten erinnerte er daran, dass die Erfolge der vergangenen Jahre nicht das Werk einer einzelnen Person gewesen seien, sondern das Ergebnis gemeinsamer Arbeit von Ensemble, Technik, Verwaltung, Regie, Dramaturgie und vielen Unterstützern. Dietrich sprach von einer „Schlüsselübergabe“ statt von einem Abschied. Das Theater brauche immer wieder neue Impulse, sagte er. Deshalb freue er sich, den Staffelstab weiterzugeben. Als zentrale Erfolgsfaktoren nannte er Teamarbeit, einen vielfältigen Spielplan für Menschen unterschiedlichster Altersgruppen und die enge Verbindung zur Region.

Nicht ich habe das Theater zum Erfolg geführt, sondern wir haben das gemeinsam geschafft.
Nico Dietrich

Auch Geschäftsführer Tobias Sosinka würdigte den scheidenden Intendanten. Dietrich habe das Theater durch „stürmische Zeiten“ geführt und nie aufgegeben – weder während der Corona-Pandemie noch während des langwierigen Umbaus des Otfried-Müller-Hauses. Unter seiner Leitung entstanden 166 Neuinszenierungen und mehr als 3.200 Veranstaltungen, die insgesamt mehrere hunderttausend Zuschauerinnen und Zuschauer erreichten. Besonders wichtig war ihm dabei stets das Motto: „Theater für alle.“

Immer wieder betonten die Rednerinnen und Redner Dietrichs Fähigkeit, Menschen zusammenzubringen, Grenzen zu überwinden und Kultur auch außerhalb Göttingens sichtbar zu machen. Gastspiele in der Region, Produktionen in ungewöhnlichen Spielstätten und die erfolgreiche Hofbühne während der Pandemie stehen exemplarisch für diesen Ansatz. Am Ende des Abends überwog nicht die Wehmut, sondern der Blick nach vorn. Das Junge Theater steht kurz vor der Rückkehr in sein saniertes Stammhaus. Nico Dietrich hinterlässt seinem Nachfolgeteam ein gut aufgestelltes Theater – und eine Botschaft, die viele Gäste wohl mit nach Hause genommen haben:

Ulf Engelmayer

Fotos: ©Radio Leinewelle (Jutta Engelmayer)