Polizei zum Anfassen: Tausende besuchen Tag der offenen Tür in Göttingen-Weende

Polizeihubschrauber, Diensthunde, Motorräder, Einsatzfahrzeuge – aber auch Prävention, Verkehrssicherheit und der Umgang mit Desinformation: Beim Tag der offenen Tür der Polizeidirektion Göttingen in Weende nutzten am Sonntag zahlreiche Besucherinnen und Besucher die Gelegenheit, Polizeiarbeit aus unmittelbarer Nähe kennenzulernen. Vor allem Familien mit Kindern bestimmten das Bild auf dem Gelände an der Otto-Hahn-Straße.

Schon am Nachmittag wurde deutlich, dass die Veranstaltung auf großes Interesse stieß. Auf dem Gelände drängten sich Besucherinnen und Besucher zwischen Einsatzfahrzeugen, Informationsständen und Mitmachangeboten. Besonders für Kinder gab es viel zu entdecken: Ein ausrangiertes Polizeiauto durfte bemalt werden, kleine Polizeimotorräder konnten auf einem Parcours ausprobiert werden und selbst die Hüpfburg kam – passend zum Anlass – in Gestalt eines Wasserwerfers daher.

Lange Schlangen am Polizeihubschrauber

Zu den Publikumsmagneten gehörte der Polizeihubschrauber. Immer wieder bildeten sich lange Schlangen, denn normalerweise ergibt sich kaum die Gelegenheit, die Maschine aus der Nähe zu betrachten und sich ihre unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten erklären zu lassen. Auch der Kampfmittelbeseitigungsdienst präsentierte seine Arbeit. Mit dabei war Torsten Lüdecke, den viele Göttingerinnen und Göttinger von den Kampfmittelfunden und Evakuierungen der vergangenen Jahre kennen. Der Tag der offenen Tür beschränkte sich allerdings nicht auf die Polizei. Feuerwehr, Rettungsdienste, Verkehrswacht und weitere Organisationen zeigten ihre Fahrzeuge und ihre Arbeit. Auch der Landkreis Göttingen war vertreten und gewährte einen eher seltenen Blick in die Technik einer mobilen Radarmessanlage.

„Unsere Arbeit transparent erleben“

Polizeipräsidentin Wolff-Bruhn zeigte sich im Gespräch mit Radio Leinewelle von der Resonanz beeindruckt. Besonders freue sie, dass so viele Familien gekommen seien. „Wir wollen auf die Bürgerinnen und Bürger zugehen. Man soll uns mit Fragen löchern und unsere Arbeit transparent erleben können.“

Genau deshalb veranstalte die Polizeidirektion ihren Tag der offenen Tür jedes Jahr an einem anderen Ort ihres großen Zuständigkeitsbereichs. Im vergangenen Jahr fand die Veranstaltung in Northeim statt, zuvor in Nienburg. Damit wird aus der Fahrzeug- und Technikschau zugleich ein Angebot zum direkten Kontakt. Bürgerinnen und Bürger können mit Polizeibeschäftigten ins Gespräch kommen und sich Arbeitsbereiche erklären lassen, die im Alltag meist nur aus größerer Distanz wahrgenommen werden.

Wir wollen auf die Bürgerinnen und Bürger zugehen. Man soll uns mit Fragen löchern und unsere Arbeit transparent erleben können.

Polizeipräsidentin Tanja Wulff-Bruhn

Prävention gehört zu den Schwerpunkten

Einen hohen Stellenwert nimmt dabei nach Angaben der Polizeipräsidentin die Präventionsarbeit ein. Das Spektrum reicht von Kriminalprävention und dem Schutz älterer Menschen vor Betrugsmaschen wie dem Enkeltrick bis zur Verkehrssicherheitsarbeit. Neu beim diesjährigen Tag der offenen Tür war ein Angebot zur Prävention im Netz. Dabei ging es um Fragen, die längst auch für die Polizeiarbeit eine Rolle spielen: Wie lassen sich manipulierte Bilder erkennen? Wie unterscheidet man Desinformation von verlässlichen Informationen und journalistischer Berichterstattung? Auch bei der Verkehrsprävention arbeitet die Polizei mit Partnern wie der Verkehrswacht zusammen. Das beginnt bei Verkehrserziehung und Fahrradprüfungen für Schülerinnen und Schüler und reicht bis zu Angeboten für ältere Menschen, die mit Pedelec oder E-Bike unterwegs sind.

Diensthunde zeigen, was ihre Nasen können

Zu den größten Publikumsmagneten gehörte die Vorführung der Diensthundführerstaffel. Hunderte verfolgten, wie die Tiere ausgebildet werden und welche Aufgaben sie später im Polizeidienst übernehmen.

Nach Angaben der Staffel gehören zur Polizeidirektion Göttingen insgesamt 34 Diensthunde mit ihren Diensthundführerinnen und -führern. Das Training beginnt teilweise bereits im Welpenalter. Rund eineinhalb Jahre dauert die grundlegende Ausbildung; anschließend können Spezialisierungen folgen – etwa für Rauschgift, Sprengstoff, Brandmittel, Leichenblut oder Datenträger. Bei der Vorführung demonstrierte der fast elfjährige Schäferhund Lux seine Nasenarbeit. Im Gras versteckte Gegenstände mit menschlichem Geruch wurden von ihm aufgespürt und angezeigt. Im realen Einsatz kann eine solche Fähigkeit entscheidend sein, wenn nach einer Straftat beispielsweise ein weggeworfenes Handy oder ein Tatmittel gesucht wird. Labradorhündin Donna wiederum demonstrierte ihre Fähigkeiten als Rauschgift- und Banknotenspürhund. Hat sie einen entsprechenden Geruch lokalisiert, zeigt sie den Fund durch regungsloses Verharren an.

Mehr als eine Leistungsschau

Der Tag der offenen Tür zeigte damit zwei Seiten moderner Polizeiarbeit. Einerseits faszinieren nach wie vor Hubschrauber, Motorräder, große Einsatzfahrzeuge und Diensthunde. Andererseits nutzte die Polizeidirektion die Veranstaltung, um über weniger sichtbare Bereiche ihrer Arbeit zu informieren – von Verkehrssicherheit und Kriminalprävention bis zum Umgang mit Desinformation. Dass sich dabei Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste, Verkehrswacht und zahlreiche weitere Organisationen gemeinsam präsentierten, machte zugleich sichtbar, wie eng die sogenannte Blaulichtfamilie im Alltag zusammenarbeitet. Und die große Resonanz zeigte: Das Interesse daran, einmal hinter die Kulissen dieser Arbeit zu schauen, ist in Göttingen groß.

Ulf Engelmayer

Fotos: ©Radio Leinewelle (Jutta Engelmayer)

Radio Leinewelle
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.