Ein Theater öffnet sich – und die Stadt kommt

Hunderte Besucherinnen und Besucher haben am Samstagnachmittag den Tag der offenen Tür des Deutschen Theaters Göttingen genutzt. Zwischen Bühne, Kostümfundus, Requisite und Werkstätten wurde dabei vor allem eines sichtbar: Das DT ist weit mehr als ein Ort für Vorstellungen – es ist ein kultureller Treffpunkt mitten in der Stadt.

Schon kurz nach der Öffnung um 14 Uhr herrschte rund um das Deutsche Theater reger Betrieb. Viele Familien mit Kindern waren gekommen, aber auch zahlreiche Stammgäste und Neugierige, die die Gelegenheit nutzen wollten, einmal jene Bereiche zu sehen, die dem Publikum normalerweise verborgen bleiben.

Einmal auf die andere Seite der Bühne

Besonders gefragt war der Blick hinter die Kulissen. Besucherinnen und Besucher konnten die große Bühne erkunden und von dort in den Zuschauerraum schauen – also für einen Moment jene Perspektive einnehmen, die sonst den Schauspielerinnen und Schauspielern vorbehalten bleibt. Führungen führten unter anderem in die Unterbühne und durch den Kostümfundus. Auch Requisite, Maske und Schneiderei öffneten ihre Türen. Im Kostümfundus konnte nicht nur gestöbert werden: Kleidung wechselte für neun Euro pro Kilogramm den Besitzer. In der Requisite waren ebenfalls kleine Fundstücke zu entdecken und teilweise mitzunehmen.

Wo aus Holz, Farbe und Ideen Theater wird

Ein Publikumsmagnet waren erneut die Werkstätten hinter dem Theater. In Tischlerei, Malsaal und Dekowerkstatt ließ sich unmittelbar beobachten, wie aus Entwürfen und Materialien schließlich Bühnenwelten entstehen. Zu sehen waren auch Kulissen, an denen aktuell gearbeitet wird.

Gerade Eltern mit Kindern nutzten diese Möglichkeit ausgiebig. Dazu passte das umfangreiche Kinderprogramm mit Mitmachaktionen, Theaterpädagogik und Kinderparcours. Für die jüngsten Gäste gab es zudem einen „Pinocchio“ zum Basteln. Der Förderverein des Deutschen Theaters sorgte in den Werkstätten mit einem großen Kuchenbuffet gegen Spende für eine weitere gut besuchte Station.

Theater zum Zuschauen – und zum Mitmachen

Natürlich wurde an diesem Nachmittag auch gespielt, gelesen und geprobt. Intendant Erich Sidler gab im gut gefüllten dt.1 mit einer öffentlichen Probe von „Welcome to Schöny – please geht the fuck out!“ einen Einblick in die Arbeit an einer Inszenierung. Weitere Programmpunkte reichten von „Annette, ein Heldinnenepos“ über „Die Brüder Löwenherz“ bis zu einer Audiowalk-Simulation des Erinnerungsprojekts „neunzehnhundertzweiundvierzig. MemoRails Göttingen“. Auch die Mitarbeitenden waren an diesem Tag an vielen Stellen selbst im Einsatz. Geschäftsführerin Sandra Hinz sorgte für das leibliche Wohl am Imbiss Stand. Vor dem Theater sorgten Musiker für zusätzliche entspannte Atmosphäre. Das gute Wetter tat sein Übriges: Viele Besucher blieben länger, kamen miteinander ins Gespräch oder wechselten zwischen den zahlreichen Angeboten auf und hinter den Bühnen. Großen Zuspruch fand auch eine Fotoaktion, bei der Besucherinnen und Besucher ein sichtbares Bekenntnis zur Demokratie abgeben konnten.

Ein Haus mitten in der Stadtgesellschaft

Am Ende war dieser Tag der offenen Tür deshalb mehr als eine Besichtigung von Bühnen, Kostümen und Werkstätten. Er vermittelte einen Eindruck davon, wie viele Menschen und Gewerke notwendig sind, bevor sich abends der Vorhang hebt – von Schauspiel und Regie über Technik und Ausstattung bis zu Tischlerei, Schneiderei, Maske und Requisite. Vor allem aber zeigte der große Andrang, welchen Stellenwert das Deutsche Theater in Göttingen besitzt. Für einige Stunden wurde das gesamte Haus selbst zur Bühne – und das Publikum war mittendrin.

Ulf Engelmayer


Fotos: ©Radio Leinewelle (Jutta Engelmayer)

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