
162 Millionen Euro im Lotto gewonnen – und trotzdem verzichtet ein Familienvater auf das Vermögen. Angelika Zacek inszeniert Flavia Costes Gesellschaftssatire über Geld, Glück und menschliche Beziehungen.
Göttingen. 162 Millionen Euro im Lotto gewinnen – für die meisten Menschen dürfte das ein Traum sein. Für Richard ist es eher ein Albtraum. Der junge Familienvater hat tatsächlich diese gigantische Summe gewonnen. Doch statt den Gewinn einzulösen, beschließt er, das Geld nicht anzunehmen. Warum? Weil er mit seinem bisherigen Leben glücklich ist und befürchtet, dass der plötzliche Reichtum alles verändern würde. Mit dieser ungewöhnlichen Ausgangssituation beginnt die französische Komödie „Nein zum Geld!“ von Flavia Coste, die am Donnerstag, 12. November, um 20 Uhr am Jungen Theater Göttingen Premiere feiert. Regie führt die neue Intendantin Angelika Zacek, die auch für Bühne und Ausstattung verantwortlich ist.
Eine Familie gerät aus dem Gleichgewicht
Richard ist Architekt, allerdings bislang ohne großen beruflichen Erfolg. Seine Frau arbeitet als Französischlehrerin und sorgt wesentlich für den Lebensunterhalt der jungen Familie. Ihr gemeinsames Baby ist gerade zwei Monate alt. Zum Abendessen haben sie Richards Mutter und seinen besten Freund eingeladen, der zugleich sein Arbeitgeber ist. Die Atmosphäre ist zunächst heiter und vertraut. Bis Richard seinen Gästen eröffnet, dass er 162 Millionen Euro gewonnen hat – und darauf verzichten will. Die Reaktionen lassen nicht lange auf sich warten. Während Richard erklärt, warum Geld die Menschen und ihre Beziehungen verändern könne, sehen die anderen vor allem die Möglichkeiten, die ein solches Vermögen eröffnen würde. Schließlich ließe sich damit nicht nur das eigene Leben angenehmer gestalten, sondern auch anderen Menschen helfen. Aus einer vermeintlich harmlosen Familienfeier entwickelt sich ein zunehmend turbulenter Streit über Geld, Verantwortung und persönliche Freiheit.
Gesellschaftskritik mit schwarzem Humor
Beim Pressegespräch am Donnerstag machte Angelika Zacek deutlich, dass es ihr nicht allein um eine unterhaltsame Boulevardkomödie geht. Die Handlung berührt auch Fragen sozialer Ungleichheit, des Kapitalismus und des Klassismus. Richard stellt beispielsweise grundsätzlich infrage, warum Menschen überhaupt Lotto spielen und welche gesellschaftlichen Mechanismen hinter dem Versprechen eines plötzlichen Aufstiegs stehen. Dabei ist seine eigene Haltung keineswegs frei von Widersprüchen. Denn während Richard sich den Luxus leisten möchte, auf das Geld zu verzichten, zeigt sich zunehmend, dass die anderen durchaus handfeste finanzielle Sorgen haben. Zacek reizt gerade diese unterschiedlichen Perspektiven. Die Zuschauerinnen und Zuschauer sollen sich im Verlauf der Handlung immer wieder dabei ertappen, ihre eigene Position zu überdenken. Entscheidend für eine funktionierende Komödie sei es, so die Regisseurin, die existenziellen Nöte ihrer Figuren ernst zu nehmen. Erst daraus entstehe die eigentliche Komik.
Für Angelika Zacek eine vertraute Komödie
Für die neue Intendantin ist „Nein zum Geld!“ keine Erstbegegnung. Bereits im März dieses Jahres inszenierte sie das Stück an der Bühne 602 in Rostock. Dort erwies sich die Produktion nach ihren Angaben als großer Publikumserfolg. Ihre Entscheidung, die Komödie nun auch in Göttingen aufzuführen, begründet sie mit den positiven Erfahrungen und der Qualität des Stücks. Ihr grundsätzlicher Blick auf die Handlung habe sich nicht verändert. Allerdings bringe das Göttinger Ensemble eigene künstlerische Persönlichkeiten und Interpretationen ein. Dadurch entstehe eine neue Inszenierung. Auf der Bühne stehen Agnes Giese, Malin Kraft, Jan Reinartz und Jens Tramsen. Die Inszenierung setzt auf schnelle Dialoge, Situationskomik, musikalische Elemente und französischen Esprit.
Eine Komödie mit Nachwirkung
Die französische Autorin Flavia Coste schrieb „Nein zum Geld!“ 2017. Im selben Jahr wurde das Stück in Paris uraufgeführt. Seither hat die Komödie auch international ihren Weg auf zahlreiche Bühnen gefunden.
Ihre zentrale Frage ist ebenso einfach wie unbequem: Wie viel Geld braucht der Mensch, um glücklich zu sein? Und vielleicht noch interessanter: Wie frei sind wir eigentlich in unseren Entscheidungen, wenn andere Menschen davon betroffen sind?
Die Göttinger Inszenierung verspricht einen unterhaltsamen Theaterabend, der über den letzten Lacher hinaus Stoff für Diskussionen bieten dürfte.
Premiere: Donnerstag, 12. November 2026, 20 Uhr
Ort: Junges Theater Göttingen, Bürgerstraße 15
Weitere Vorstellungen: 14. und 28. November sowie 5., 18. und 22. Dezember, jeweils 20 Uhr. Silvester um 17 Uhr und 20.30 Uhr.
Karten: www.junges-theater.de, Telefon 0551 495015.
Jutta & Ulf Engelmayer
Foto: Agnes Giese, Jens Tramsen, Malin Kraft, Jan Reinartz und Angelika Zacek (hinten) ©Junges Theater (Julian Schima)
