
Der Wohnkomplex in der Groner Landstraße 9 in Göttingen steht vor einem möglichen Wendepunkt. Wie am 19. Dezember 2025 bekannt wurde, hat die Göttinger Quartiersgesellschaft mbH die Wohnungen der beiden insolventen Mehrheitseigentümergesellschaften – der Gänseliesel Wohn GmbH und der Winteks GmbH – übernommen. Die Stadt Göttingen begrüßt den Eigentümerwechsel ausdrücklich und verbindet damit die Hoffnung auf eine nachhaltige Verbesserung der Situation für die Mieterinnen und Mieter.
Oberbürgermeisterin Petra Broistedt äußerte sich in einer ersten Stellungnahme optimistisch. Ziel sei es, die Lebensbedingungen im Gebäude spürbar zu verbessern. Nach Angaben der Stadt hat die Göttinger Quartiersgesellschaft zugesagt, kurzfristig Maßnahmen umzusetzen: Dazu zählen die Entsorgung von Müll, der Einsatz eines Sicherheitsdienstes sowie die Wiederherstellung der Wärmeversorgung und der Fahrstühle. Diese Schritte würden für die Bewohnerinnen und Bewohner eine sofortige Entlastung bedeuten.
Gleichzeitig macht Broistedt deutlich, dass die Herausforderungen erheblich sind. Das Projekt erfordere einen langen Atem und werde nicht ohne Rückschläge verlaufen. Dennoch sei der eingeschlagene Weg ein wichtiger Schritt, um die angespannte Lage vor Ort zu stabilisieren.
Seit Jahren ein Problemfall
Der Wohnkomplex steht bereits seit vielen Jahren im Fokus der Stadt Göttingen. Schon lange besteht ein Vermittlungsverbot für Menschen im Transferleistungsbezug. Nach der Insolvenz der Mehrheitseigentümerinnen im Jahr 2023 hatten sich die Zustände im Gebäude weiter verschärft: Sicherheits- und Reinigungsdienste wurden reduziert oder eingestellt, Fahrstühle fielen aus, Müll und Sperrmüll landeten teilweise aus den Fenstern. Hinzu kamen wiederkehrende Brände in Apartments, bauliche Mängel und Ungezieferbefall. Im Rahmen ihrer rechtlichen Möglichkeiten hat die Stadt wiederholt eingegriffen, um die Situation zu entschärfen. Eine grundlegende Lösung blieb jedoch bislang aus.
Perspektive: Kernsanierung und neues Wohnkonzept
Aus Sicht der Stadt kann eine nachhaltige Verbesserung nur durch eine umfassende Sanierung erreicht werden. Oberbürgermeisterin Broistedt betont, dass die Immobilie langfristig kernsaniert und zu einem attraktiven, innenstadtnahen Wohnangebot entwickelt werden müsse. Angedacht sei Wohnraum für Alleinstehende, Studierende und Familien.
Ob der Eigentümerwechsel tatsächlich den erhofften Neustart bringt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Die Stadt signalisiert jedenfalls Bereitschaft zur Zusammenarbeit – auf Basis eines gemeinsamen Verständnisses für die zukünftige Entwicklung der Groner Landstraße 9
Foto: Groner Landstr. 9 ©Radio Leinewelle (ue)
