
Göttingen. Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) erweitert ihr medizinisches Angebot für Patientinnen mit Vorhofflimmern: Ein neues minimalinvasives Operationsverfahren ermöglicht eine besonders schonende Behandlung der häufigsten anhaltenden Herzrhythmusstörung. Die Methode wurde bereits erfolgreich bei ersten Patientinnen eingesetzt.
Vorhofflimmern betrifft nach Angaben der Deutschen Herzstiftung rund zwei Prozent der Bevölkerung in Deutschland. Typische Symptome sind Herzrasen, Atemnot, Schwindel und ein deutlicher Leistungsabfall. Unbehandelt kann die Erkrankung schwerwiegende Folgen haben – etwa Herzschwäche oder einen Schlaganfall. Rund 15 Prozent aller Schlaganfälle gehen auf Vorhofflimmern zurück.
Bisher werden Betroffene meist medikamentös oder mit einer sogenannten Katheterablation behandelt. Dabei werden krankhafte elektrische Signale im Herzen über einen dünnen Draht gezielt verödet. Bei einem Teil der Patient*innen bleiben diese Therapien jedoch ohne dauerhaften Erfolg.
Für diese Patient*innengruppe bietet die UMG nun eine neue Option: die sogenannte endoskopische Ablation. Der Eingriff erfolgt minimalinvasiv über kleine Hautschnitte im Brustbereich – ohne Öffnung des Brustkorbs. Mithilfe einer Mini-Kamera und spezieller Instrumente können die verantwortlichen Areale im linken Vorhof direkt am Herzen präzise behandelt werden.
Gerade bei komplexen Krankheitsverläufen ist es entscheidend, verschiedene medizinische Perspektiven zusammenzuführen. Nur so können wir die Therapie wirklich individuell auf die Patientinnen und Patienten zuschneiden und personalisieren.
Prof.Dr. Constanze Schmid
Ein zusätzlicher Vorteil: Während der Operation kann auch das sogenannte linke Herzohr verschlossen werden. In diesem Bereich entstehen bei Vorhofflimmern häufig Blutgerinnsel, die einen Schlaganfall auslösen können. Der Verschluss senkt dieses Risiko deutlich. Die neue Therapieform basiert auf einer engen interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Herzchirurgie und Kardiologie. Im sogenannten Herzrhythmus-Team entscheiden die Fachdisziplinen gemeinsam über die individuell beste Behandlung.
Die Methode wurde Mitte des vergangenen Jahres an der UMG eingeführt. Der weitere Ausbau des Angebots sowie eine wissenschaftliche Auswertung der Behandlungsergebnisse sind geplant.
Foto: ©umg/eva meyer-besting
