
In Göttingen haben Unbekannte das Tropenholz-Mahnmal am Ernst-Honig-Wall beschädigt. Nach Angaben der Polizei wurden die Stelen des Mahnmals großflächig mit Sprühfarbe besprüht. Entdeckt wurde die Sachbeschädigung bereits am Mittwoch (20. Mai) durch einen Mitarbeiter der Stadt Göttingen. Die genaue Tatzeit ist bislang unklar. Der entstandene Schaden wird auf rund 1.000 Euro geschätzt. Die Ermittlerinnen und Ermittler des Zentralen Kriminaldienstes der Polizeiinspektion Göttingen haben ein Verfahren wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung eingeleitet. Zeuginnen und Zeugen, die verdächtige Beobachtungen im Bereich des Ernst-Honig-Walls gemacht haben, werden gebeten, sich unter der Telefonnummer 0551/491-2115 bei der Polizei zu melden.
Ein Mahnmal mit besonderer Geschichte
Das Tropenholz-Mahnmal gehört zu den eher unscheinbaren, aber symbolträchtigen Erinnerungsorten der Stadt. Seine Entstehung geht auf die frühen 1990er-Jahre zurück – eine Zeit, in der die weltweite Zerstörung der tropischen Regenwälder zunehmend in das öffentliche Bewusstsein rückte. Entworfen wurde das Mahnmal von Schülerinnen und Schülern des Hainberg-Gymnasiums. Die aus verschiedenen Tropenhölzern gefertigten Stelen sollten die Besucherinnen und Besucher auf die Folgen von Raubbau, Abholzung und die Verantwortung der Industrienationen aufmerksam machen. Erstmals wurde das Denkmal im März 1992 auf dem Göttinger Wochenmarkt präsentiert – wenige Monate vor der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro, die den internationalen Umweltschutz nachhaltig prägte. Die Verwendung echter Tropenhölzer war dabei bewusst gewählt: Die Stelen sollten die Herkunft wertvoller Rohstoffe sichtbar machen und zugleich die Frage aufwerfen, welchen Preis die Ausbeutung natürlicher Ressourcen für Mensch und Umwelt hat.
Restaurierung und neuer Standort
Über die Jahre setzte die Witterung dem Denkmal erheblich zu. 2018 musste das Mahnmal aus Sicherheitsgründen abgebaut werden. Nach einer aufwendigen Restaurierung kehrten die Stelen im Juli 2019 an die Öffentlichkeit zurück – diesmal an ihren heutigen Standort am Ernst-Honig-Wall in Höhe des Alten Botanischen Gartens. Gerade dort entfaltet das Mahnmal eine besondere Wirkung: Zwischen historischen Wallanlagen und dem Botanischen Garten erinnert es daran, dass der Schutz biologischer Vielfalt und ein verantwortungsvoller Umgang mit natürlichen Ressourcen keine abgeschlossenen Kapitel der Vergangenheit sind, sondern hochaktuelle gesellschaftliche Aufgaben bleiben.
Die jüngste Beschädigung trifft deshalb nicht nur ein Kunstwerk, sondern auch einen Ort der Erinnerung und Umweltbildung, der seit mehr als 30 Jahren Teil des Göttinger Stadtbildes ist. Nun hoffen Polizei und Stadt auf Hinweise aus der Bevölkerung, um die Tat aufzuklären.
Foto: Beschädigtes Tropenholz-Mahnmal am Ernst-Honig-Wall ©Radio Leinewelle (Frithjof Hermann)
