Nach Schüssen am Weender Tor: Verletzter Polizeibeamter außer Lebensgefahr – erste politische Reaktionen

Samstagabend: Polizeigroßeinsatz am Weender Tor in Göttingen

Nach den Schüssen am Weender Tor in Göttingen haben die Ermittlungs- und Fahndungsmaßnahmen der Polizei die gesamte Nacht angedauert. Auch am Sonntag sind weiterhin zahlreiche Einsatzkräfte im Einsatz. Der bei dem Vorfall schwer verletzte Polizeibeamte konnte inzwischen medizinisch stabilisiert werden. Nach aktuellem Stand besteht keine akute Lebensgefahr mehr. Die Ermittlungen zur genauen Abfolge der Ereignisse dauern jedoch an. Neu ist auch die Einschätzung der Ermittler zur Tatwaffe: Während zunächst offen war, ob es sich möglicherweise um eine Schreckschusswaffe gehandelt haben könnte, geht die Polizei nach derzeitiger Bewertung nicht mehr davon aus. Mehrere Zeuginnen und Zeugen meldeten sich zudem bei der Polizei. Ein Hinweisgeber berichtete, nach schussähnlichen Geräuschen im Bereich des Campus eine Person beobachtet zu haben, die sich vom Unigelände in Richtung Kreuzbergring entfernt habe. Ob diese Beobachtung mit dem Tatgeschehen in Zusammenhang steht, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen.

CDU-Oberbürgermeisterkandidat: „Warnsignal für die Menschen in Göttingen“

Zu den Ereignissen äußerte sich der Göttinger CDU-Oberbürgermeisterkandidat Dr. Ehsan Kangarani. Er sprach von einer „gewaltsamen Eskalation“ in unmittelbarer Nähe zur feiernden Menge der Nacht der Kultur und bezeichnete die Verletzung des Polizeibeamten als „neue Eskalationsstufe“.

Dem verletzten Beamten wünsche er eine rasche Genesung. Der Vorfall reihe sich aus seiner Sicht in jüngste Ereignisse ein und sei „ein weiteres Warnsignal für die Menschen in Göttingen, dass die Sicherheitslage in bestimmten Bereichen unserer Stadt kritisch ist“. Probleme müssten klar benannt werden, ein „Schönreden der Lage“ helfe niemandem weiter. Mit Blick auf die politische Verantwortung forderte Kangarani eine stärkere Präventionsarbeit. Die Sicherheit im öffentlichen Raum müsse höchste Priorität haben, „rechtsfreie Räume dürfen wir in unserer Stadt nicht dulden“.

Carina Hermann fordert Ausweitung der Kontrollen

Auch die Göttinger CDU-Landtagsabgeordnete Carina Hermann reagierte auf die Ereignisse. Sie dankte der Polizei für ihren schnellen Einsatz, durch den ihrer Ansicht nach Schlimmeres verhindert worden sei. Der Vorfall zeige „erschreckend“, dass die Umsetzung und die damit verbundenen Kontrollen im Rahmen der Waffenverbotszonen deutlich ausgeweitet werden müssten. Wer auf oder am Rande einer Großveranstaltung eine Waffe mitführe, dürfe sich nicht im Schutz der Menschenmenge sicher fühlen. Der Rechtsstaat müsse „mit voller Härte“ reagieren und die dafür notwendigen Befugnisse erhalten. Auch Hermann wünschte dem verletzten Polizeibeamten eine schnelle und vollständige Genesung.

Polizei bittet weiter um Hinweise

Die Polizei bittet weiterhin um Hinweise: Wer am Samstagabend gegen 22.10 Uhr im Bereich Weender Tor, Weender Landstraße, Campus oder Kreuzbergring verdächtige Personen beobachtet hat oder Angaben zur Schussabgabe beziehungsweise zum mutmaßlichen Schützen machen kann, wird gebeten, sich unter der Telefonnummer 0551 / 491-2115 bei der Polizei Göttingen zu melden.

Weitere politische Reaktionen werden im Laufe des Tages erwartet. Radio Leinewelle berichtet fortlaufend über die Entwicklungen.

Ulf Engelmayer

Foto: ©Radio Leinewelle (fh)