Schüsse am Weender Tor: Mutmaßlicher Schütze weiter auf der Flucht – Ermittlungen gegen rivalisierende Großfamilien

Nach der Schussabgabe auf einen Polizeibeamten der Polizeiinspektion Göttingen am Samstagabend hat die Polizei ihre in der Nacht mit Hochdruck begonnen Ermittlungen am Sonntag ohne Unterbrechung fortgesetzt. Der Schwerpunkt liegt auf der Identifizierung und Ergreifung des mutmaßlichen Schützen. Er befindet sich weiterhin auf der Flucht.

Den derzeitigen Erkenntnissen zufolge hatte der Unbekannte am Samstagabend während einer Auseinandersetzung zwischen zwei rivalisierenden Göttinger Großfamilien einen oder mehrere Schüsse aus einer scharfen Waffe abgefeuert und hierbei einen Polizeibeamten getroffen und schwer verletzt. Der Zustand des Beamten ist mit Stand von Sonntag unverändert stabil. In die laufenden Ermittlungen ist die Staatsanwaltschaft Göttingen von Beginn an eng eingebunden.

An der Auseinandersetzung, die der Schussabgabe vorausging, waren nach polizeilichen Schätzungen mehrere Personen aus zwei verschiedenen Streitparteien beteiligt. Die Ermittlungen zur genauen Zusammensetzung und Herkunft der Gruppenmitglieder dauern an. Dies schließt auch die Prüfung ein, ob ein Zusammenhang mit den zurückliegenden Auseinandersetzungen zwischen zwei örtlichen Großfamilien besteht.

Hinweisportal für Bildmaterial und Videos geschaltet

Auf die veröffentlichten Pressemitteilungen gingen bei der Polizei zeitnah mehrere Hinweise ein, die zurzeit ausgewertet werden. Die Ermittlerinnen und Ermittler gehen davon aus, dass es darüber hinaus private Handyvideos und anderes Bildmaterial von dem Geschehen gibt und bittet darum, diese wichtigen Aufnahmen der Polizei zur Verfügung zu stellen. Für die Entgegennahme ist unter dem Link https://fcld.ly/hnws ein Hinweisportal eingerichtet. Alle anderen sachdienliche Hinweise nimmt die Polizei Göttingen weiterhin unter der 0551/491-2115 entgegen.

Gesperrter Bereich am Morgen freigegeben

Die intensiven spurentechnischen Untersuchungen rund um den Tatort konnten am frühen Sonntagmorgen abgeschlossen werden. Die Auswertung des gesicherten Spurenmaterials sowie auch der umfangreichen Befragungen von Zeuginnen und Zeugen dauert an. Der Bereich im Umfeld des Weender Tores war für die Dauer der komplexen Maßnahmen weiträumig abgesperrt. Diese Sperrungen konnten am frühen Sonntagmorgen sukzessive aufgehoben werden.

Polizeipräsidentin Tanja Wulff-Bruhn äußert sich wie folgt zum Vorfall vom gestrigen Samstagabend: „Priorität hat derzeit der Gesundheitszustand des schwer verletzten Kollegen – seine bestmögliche medizinische Versorgung und vollständige Genesung liegt in unser aller Interesse. Wir sind alle in Gedanken bei ihm, seinen Angehörigen, Freundinnen und Freunden und auch bei den Kolleginnen und Kollegen, die diese schreckliche Tat mit ansehen mussten. Daher setzen wir alles daran, den Schützen so schnell wie möglich dingfest zu machen.“

Marco Hansmann, Leiter der Polizeiinspektion Göttingen, ergänzt: „Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren und auf allen Ebenen. Es wird viel Präsenz in der Stadt geben, nicht nur um die Bürgerinnen und Bürger im Sinne der Gefahrenabwehr zu schützen, sondern ihr Sicherheitsgefühl vor dem Hintergrund dieser Tat wieder zu stärken.“

Weitere Stellungnahmen aus der Politik

Nach dem Vorfall am gestrigen Abend am Weender Tor in Göttingen, bei dem ein Polizeibeamter im Rahmen eines Einsatzes durch einen Schuss schwer verletzt wurde, äußert sich Marie Kollenrott, direkt gewählte Landtagsabgeordnete von Bündnis 90/DIE GRÜNEN für Göttingen, zutiefst besorgt und betroffen. In ihrer Stellungnahme wünscht Kollenrott dem verletzten Beamten rasche Genesung:
„Ich wünsche dem Beamten eine schnelle und vollständige Genesung. Ich hoffe sehr, dass er und seine Familie das Geschehene gut verarbeiten können. Der Staatsanwaltschaft wünsche ich Erfolg bei der zügigen und lückenlosen Aufklärung des dramatischen Geschehens.“ 
Gleichzeitig warnt die Abgeordnete davor, die Tat für politische Zwecke oder rassistische Stimmungsmache zu missbrauchen: „Vorschnelle Verurteilungen oder rassistische Ressentiments helfen uns nicht weiter. Es ist Aufgabe unseres Rechtsstaats und der Ermittlungsbehörden, die genauen Hintergründe aufzuarbeiten. Zurückhaltung ist absolut geboten.“

Der Vorfall ereignete sich am Rande der „Nacht der Kultur“, bei der sich zeitgleich Tausende Menschen in der Göttinger Innenstadt aufhielten. Die Schüsse und die Verletzung eines Polizeibeamten markieren eine neue Dimension der Gewalt und dürften die Debatte über die Sicherheitslage in Göttingen weiter verschärfen.
Ulf Engelmayer

Foto: ©Radio Leinewelle (fh)