
Wie arbeiten Menschen zusammen, wenn künstliche Intelligenz Aufgaben verändert und Entscheidungen komplexer werden? Unter dem Titel „Kooperation als Zukunftskompetenz“ diskutierten am Donnerstag, 17. September, die Journalistin und Buchautorin Eva Thöne und die frühere Göttinger Unternehmerin Ingeborg Behr-Hoyer im Forum Wissen. Ann-Katrin Sudholz moderierte das Gespräch. Schnell ging es dabei um eine Frage, die über gute Teamarbeit hinausreicht: Wer hat Einfluss, wenn Entscheidungen fallen? Thöne, die das Kulturressort des SPIEGEL leitet, schilderte eine Beobachtung aus Redaktionskonferenzen: Frauen seien dort durchaus vertreten, doch wenn Themen gesetzt und Aufgaben vergeben würden, dominierten häufig weiterhin Männer das Gespräch. Für ihr Buch Weibliche Macht neu denken wurde daraus die Frage, ob mehr Frauen in Führungsrunden bereits genügen – oder ob sich auch die Vorstellungen von Macht und Führung ändern müssen.
Ein sehr reifer Machtbegriff, der eigentlich vielleicht auch demokratischer wäre, wäre einer, der Macht eher als Zustand als Besitz versteht.
Eva Thöne, über Führung und das Teilen von Verantwortung.
Thöne plädierte dafür, Macht weniger als dauerhaften Besitz einer einzelnen Person zu verstehen. Verantwortung könne für eine Aufgabe übernommen, mit anderen geteilt und später weitergegeben werden. Behr-Hoyer brachte die Erfahrung einer anderen Generation ein. Sie leitete von 1972 bis 1991 das Göttinger Unternehmen Spindler & Hoyer. Für vertrauensvolle Zusammenarbeit seien aus ihrer Sicht Offenheit, Ehrlichkeit und der Respekt vor der Würde anderer Menschen entscheidend. Göttingen habe sie als Stadt erlebt, in der sich für neue Ideen Mitstreiterinnen und Mitstreiter finden ließen.
Ich halte es für außerordentlich wichtig, dass man die Würde eines jeden anderen Menschen, mit dem man zu tun hat, respektiert.
Ingeborg Behr-Hoyer, auf die Frage, was vertrauensvolle Zusammenarbeit ermöglicht.
Gerade dieser Austausch machte den Abend interessant: Die Gesprächspartnerinnen waren sich nicht in jeder Beschreibung von Führung einig. Behr-Hoyer hob hervor, dass Menschen Verantwortung auch deshalb übertragen bekommen, weil andere ihnen vertrauen. Thöne fragte stärker danach, welche Verhaltensweisen in Organisationen als durchsetzungsfähig gelten – und wessen Beiträge dabei leicht übersehen werden. Der Abend war Teil von „Change by Women“. Nach einer größeren Konferenz im November 2025 und einem Dialogabend im Mai 2026 war dies die zweite kleinere Folgeveranstaltung unter diesem Namen. Das Format bringt Frauen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft zusammen; Menschen aller Geschlechter sind willkommen. Die ursprüngliche Konferenz entstand als Kooperation der Universität und Alumni Göttingen mit regionalen Frauennetzwerken.
Fazit dieser interessanten Veranstaltung
Kooperation ist keine angeborene Eigenschaft von Frauen. Die frauenspezifische Frage lautet vielmehr, ob Wissenschaftlerinnen, Unternehmerinnen und Selbstständige dieselben Chancen erhalten, Kontakte zu knüpfen, gehört zu werden und Entscheidungen mitzugestalten. Das Format schafft dafür Sichtbarkeit. Thönes Beispiel aus der Redaktion zeigt zugleich die Grenze eines solchen Netzwerks: Entscheidend ist auch, was sich anschließend in den Institutionen selbst verändert.
Infobox: Die drei Gesprächsteilnehmerinnen
| Name | Hintergrund |
| Eva Thöne | Die 1986 in Göttingen geborene Journalistin leitet das Kulturressort des SPIEGEL. In ihrem Buch Weibliche Macht neu denken untersucht sie, wie Frauen Einfluss ausüben und wie sich Führung verändern kann. |
| Ingeborg Behr-Hoyer | Die Unternehmerin leitete von 1972 bis 1991 die Göttinger Firma Spindler & Hoyer. Sie war Vizepräsidentin der IHK und erhielt 1992 die Dorothea-Schlözer-Medaille der Universität Göttingen. |
| Ann-Katrin Sudholz | Sie moderierte den Abend. Sudholz arbeitet beim Göttinger Unternehmen Excelitas und beschäftigt sich nach eigener Aussage mit Führung, Veränderung und Zukunftskompetenzen. |
Ulf Engelmayer
