Neue Feuerwehrtechnische Zentrale in Ebergötzen feiert Richtfest

Mit dem Richtfest für die neue Feuerwehrtechnische Zentrale in Ebergötzen hat der Landkreis Göttingen einen wichtigen Meilenstein erreicht. Erst im Mai war der Grundstein gelegt worden, vier Monate später ist der Gebäudekomplex bereits deutlich erkennbar. Bis zum Frühjahr 2028 soll die rund 43 Millionen Euro teure Einrichtung fertiggestellt werden. Die Erste Kreisrätin Doreen Fragel erinnerte beim Richtfest am 18. September daran, dass die Planungen bereits 2019 begonnen hatten. Früh sei deutlich geworden, dass der Landkreis eine neue Feuerwehrtechnische Zentrale benötige. Anschließend mussten ein geeigneter Standort gefunden, Grundstücke erworben und die bauplanungsrechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden. Ebergötzen setzte sich dabei gegen weitere mögliche Standorte durch. Ausschlaggebend war unter anderem die zentrale Lage innerhalb des Landkreises. Fragel dankte der Gemeinde Ebergötzen und der Samtgemeinde Radolfshausen für ihre Unterstützung bei der Entwicklung des Geländes.

Feuerwehr war eng an der Planung beteiligt

Die neue Zentrale sollte ausdrücklich nicht allein am Verwaltungsschreibtisch entstehen. In zahlreichen Workshops wurden die Anforderungen der Feuerwehren zusammengetragen und in einem sogenannten Raumbuch festgehalten. Es bildete später die Grundlage eines Architekturwettbewerbs, zu dem 16 Entwürfe eingereicht wurden. Den Zuschlag erhielt das Braunschweiger Büro struhk architektur. „Wir bauen hier keine Immobilie nur der Immobilie willen, sondern wir investieren in die Sicherheit im Landkreis Göttingen“, betonte Fragel. Die neue Zentrale sei zugleich ein Zeichen der Wertschätzung für die vielen ehrenamtlichen Feuerwehrleute, die rund um die Uhr für die Bevölkerung im Einsatz seien. Der Rohbau wird in Holzhybridbauweise errichtet. Nach Angaben des Landkreises liegt das Projekt derzeit sowohl im Zeit- als auch im vorgesehenen Finanzrahmen. Die Arbeiten am Holzbau begannen im Juli. Innerhalb von nur zwei Monaten entstanden wesentliche Teile der Gebäudehülle.

Wir bauen hier keine Immobilie nur der Immobilie willen, sondern wir investieren hier in unsere Sicherheit für den Landkreis Göttingen.

Doreen Fragel, Erste Kreisrätin

Drehscheibe für rund 150 Feuerwehren

Feuerwehrdezernentin Marlies Dornieden bezeichnete die neue FTZ als künftige Drehscheibe für Wartung, Logistik und Ausbildung der rund 150 Feuerwehren im Landkreis Göttingen. Vorgesehen sind unter anderem Werkstätten für Atemschutzgeräte und Fahrzeuge, Einrichtungen zur Schlauchpflege, Pumpenprüfstände, eine Waschhalle sowie umfangreiche Lagerflächen. Auch die bisher bei der Berufsfeuerwehr Göttingen angesiedelte Schlauchpflege für den Altkreis Göttingen soll nach Ebergötzen verlagert werden. Erstmals wird es dabei eine konsequente Schwarz-Weiß-Trennung geben: Verschmutzte Ausrüstung aus Einsätzen und bereits gereinigtes Material werden räumlich voneinander getrennt. Die große Fahrzeughalle bietet nach den Planungsunterlagen bis zu 26 Stellplätze. Hinzu kommen moderne Unterrichtsräume, eine Atemschutzübungsstrecke sowie ein rund 1.200 Quadratmeter großes Außengelände für praktisches Training.

Übungen näher an Wohn- und Arbeitsort

Kreisbrandmeister Carsten Krügener hob insbesondere das geplante Übungszentrum hervor. In einem eigenen Übungsshaus sollen künftig unter anderem Brandsituationen, Türöffnungen, das Verlegen von Schläuchen in Treppenhäusern, Abseilübungen und Drehleitereinsätze trainiert werden. Allein für das Außengelände seien knapp zwei Millionen Euro vorgesehen. Die wohnortnahe Ausbildung soll es ehrenamtlichen Feuerwehrkräften erleichtern, Lehrgänge mit Beruf und Familie zu vereinbaren. Übungen könnten künftig auch am Abend oder an Wochenenden stattfinden. Mehrtägige Fahrten zu weiter entfernten Ausbildungsstätten würden dadurch teilweise entfallen.

Zentrale auch für größere Krisenlagen

Die Feuerwehrtechnische Zentrale wird nicht nur Werkstatt- und Ausbildungsstandort. Sie soll auch eine wichtige Rolle im Katastrophen- und Bevölkerungsschutz übernehmen. Bei größeren Schadenslagen können dort die Technische Einsatzleitung und der Verwaltungsstab des Landkreises zusammenkommen und Einsätze koordinieren. Auch das bisherige Bevölkerungsschutzdepot soll an den neuen Standort verlegt werden. Damit bündelt der Landkreis in Ebergötzen technische Dienste, Materialreserven, Ausbildung und Krisenkoordination.

Nachhaltiger Betrieb angestrebt

Der Gebäudekomplex soll nach den Kriterien der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen mit dem Standard Silber zertifiziert werden. Vorgesehen sind unter anderem eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von rund 255 Kilowatt-Peak, begrünte Dachflächen, Regenwassernutzung und ein unterirdischer Eisspeicher für die Wärmeversorgung. Durch diese Kombination soll die neue FTZ weitgehend emissionsarm betrieben werden und im Ernstfall möglichst unabhängig mit Energie und Wärme versorgt werden können. Nach Fertigstellung der Gebäudehülle beginnt der umfangreiche Innenausbau. Die Inbetriebnahme ist für das erste Quartal beziehungsweise das Frühjahr 2028 vorgesehen. Fragel wünschte allen Beteiligten einen weiterhin reibungslosen und vor allem unfallfreien Verlauf der Arbeiten.

Infobox: Die neue Feuerwehrtechnische Zentrale

ProjektdatenAngaben
StandortHerzberger Straße 70, 37136 Ebergötzen
BauherrLandkreis Göttingen
Architekturstruhk architektur GmbH, Braunschweig
Investitionsvolumenrund 43 Millionen Euro
Bruttogrundflächerund 6.800 Quadratmeter
Bruttorauminhaltrund 42.000 Kubikmeter
Bauweisezweigeschossiger, L-förmiger Holzhybridbau
Fahrzeughallelaut Planungsunterlagen bis zu 26 Stellplätze
Außengeländerund 1.200 Quadratmeter großes Übungsareal
Baubeginn Hochbau2026
Richtfest18. September 2026
Geplante Fertigstellungerstes Quartal/Frühjahr 2028
Nachhaltigkeitangestrebte DGNB-Silber-Zertifizierung
EnergiePhotovoltaik mit rund 255 kWp und Eisspeicher
Weitere ElementeDachbegrünung, Regenwassernutzung, autarke Energie- und Wärmeversorgung für den Ernstfall
Zentrale AufgabenWartung, Logistik, Schlauchpflege, Atemschutz, Fahrzeugtechnik, Ausbildung und Koordination bei Großschadenslagen
Nutzerrund 150 Feuerwehren im Landkreis Göttingen

Ulf Engelmayer

Fotos: ©Jutta Engelmayer / Radio Leinewelle
Planungsentwurf: struhk architektur

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