Unsere News aus der Göttinger Wissenschaft – Woche 45/26

Was gibt es Neues in den Laboren, Forschungsinstituten und Hochschulen unserer Region? Willkommen zur ersten Ausgabe von „WISSENschafft Göttingen“. Wir berichten jede Woche über Forschung und Innovation – und darüber, was diese Erkenntnisse bedeuten, wo ihre Grenzen liegen und welche Fragen offenbleiben.

1 | Was Gene über die Borkenkäfer-Gefahr verraten

Borkenkäfer können ganzen Fichtenbeständen zusetzen. Entscheidend ist auch, wie oft sich die Tiere im Jahr vermehren. Manche Populationen des sogenannten Buchdruckers bringen eine Generation hervor, andere zwei oder sogar drei. Ein internationales Team unter Leitung der Universität Göttingen und der Freien Universität Bozen hat nun genetische Unterschiede untersucht, die mit dem Überwinterungsverhalten der Käfer zusammenhängen. Beteiligt ist die Göttinger Abteilung Forstentomologie um Professor Martin Schebeck, einen der Projektleiter. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Molecular Ecology“ veröffentlicht. Die genetischen Hinweise könnten helfen, das Risiko von Massenvermehrungen bei sich veränderndem Klima künftig präziser abzuschätzen. Eine neue Methode zur direkten Bekämpfung ist das ausdrücklich nicht. Für die Forstwirtschaft könnte aber eine verbesserte Vorhersage wertvoll sein: Wo droht verstärkter Befall, und wann sind Wälder besonders gefährdet?

2 | Wenn Nervenzellen den Herzrhythmus beeinflussen

An der Universitätsmedizin Göttingen hat das Team um Professorin Maria-Patapia Zafeiriou ein kompliziertes Zusammenspiel untersucht: das zwischen Herzmuskelzellen und Nervenzellen. Die Forschungsgruppe wurde dabei von Professor Wolfram-Hubertus Zimmermann und dem Institut für Pharmakologie und Toxikologie unterstützt. Im Mittelpunkt steht eine erbliche Herzrhythmuserkrankung, das Long-QT-Syndrom Typ 2. Dabei kann das Herz besonders unter Belastung aus dem Takt geraten. In einem menschlichen Gewebemodell zeigte das Team, dass nicht nur die Herzmuskelzellen verändert sind. Auch Nervenzellen, die den Herzschlag bei Stress beschleunigen, können übererregbar sein und die Störungen verstärken. Die Erkenntnisse wurden in „Nature Communications“ veröffentlicht. Das ist Grundlagenforschung und keine neue zugelassene Therapie. Sie könnte aber helfen, künftig weitere Ansatzpunkte für Medikamente und ein genaueres Verständnis von Herzrhythmusstörungen zu finden.

3 | Drei neue Teams forschen zur Künstlichen Intelligenz

Die Universität Göttingen erweitert ihre KI-Forschung. Am Campus-Institut Data Science beginnen in diesem Herbst drei neue Forschungsgruppen. Johannes Hertrich leitet eine Gruppe zu mathematischen Grundlagen generativer KI. Alireza Modirshanechi untersucht mit seinem Team, wie Menschen Kontrolle im Umgang mit KI erleben. Die dritte Gruppe um Timo Janßen vom Institut für Theoretische Physik entwickelt KI-Verfahren für Simulationen in der Hochenergiephysik. Zwei Gruppen werden über das Emmy-Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Für Göttingen ist das eine wissenschaftspolitische Nachricht: Der Standort baut Forschungskompetenz auf einem Gebiet aus, dessen Anwendungen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft zunehmend verändern. Welche konkreten Ergebnisse daraus entstehen, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen.

4 | Neubau für Forschung am Hören

Die Universitätsmedizin Göttingen erhält ein neues Forschungsgebäude für die Hörforschung. Am 28. Oktober wurde der Grundstein für das Institut für Auditorische Neurowissenschaften gelegt. Rund 38,3 Millionen Euro sind für den Bau eingeplant. Das Gebäude soll bis Ende 2028 fertiggestellt werden; der Bezug ist für 2029 vorgesehen. Dort sollen die Arbeitsgruppen des Instituts unter Leitung von Professor Tobias Moser gebündelt werden, die die biologischen Grundlagen des Hörens entschlüsseln und an neuen Therapieansätzen arbeiten. Eng verbunden ist das Institut mit dem Else Kröner Fresenius Zentrum für Optogenetische Therapien. Zu den Ansätzen gehören gentherapeutische und sogenannte optogenetische Verfahren, bei denen lichtempfindliche Strukturen genutzt werden. Das Ziel ist ehrgeizig: verlorene Sinnesfunktionen eines Tages wiederherzustellen. Doch zwischen experimenteller Forschung und einer breiten medizinischen Anwendung liegen weiterhin wichtige Entwicklungsschritte. Mehr dazu

5 | Göttinger Holzforschung international ausgezeichnet

Eine internationale Ehrung geht an die Universität Göttingen: Der Holzwissenschaftler Holger Militz aus der Abteilung Holzbiologie und Holzprodukte hat den Marcus-Wallenberg-Preis 2026 erhalten. Ausgezeichnet wird seine Arbeit zur gezielten Veränderung von Holzeigenschaften und zur industriellen Nutzung entsprechender Verfahren. Der Preis gilt als besonders renommiert im Bereich Forst- und Holzwirtschaft. Warum ist das interessant? Weil Holz als Baustoff und Rohstoff hohe Erwartungen erfüllen soll – von langer Haltbarkeit bis zu vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. Die Forschung zeigt zugleich, wie eng wissenschaftliche Erkenntnisse und technische Anwendungen zusammenhängen.

Redaktion: Ulf Engelmayer

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