
23-Jähriger weiterhin nicht vernehmungsfähig
Nach dem lebensgefährlichen Messerangriff auf einen 23-jährigen Göttinger in der Nacht zum Sonntag (21. Juni) im Fridtjof-Nansen-Weg hat die Staatsanwaltschaft Göttingen neue Einzelheiten zum Stand der Ermittlungen bekanntgegeben. Demnach wurde ein 17-jähriger Göttinger als mutmaßlicher Tatverdächtiger identifiziert. Bei ihm fanden die Ermittler auch die vermutliche Tatwaffe. Das Opfer war bei der Auseinandersetzung mit einem Messer oder einem anderen spitzen Gegenstand schwer verletzt worden und befindet sich weiterhin in medizinischer Behandlung. Nach Angaben der Ermittler ist der 23-Jährige bislang nur eingeschränkt vernehmungsfähig.
Tatverdächtiger wieder auf freiem Fuß
Der 17-Jährige wurde zunächst vorläufig festgenommen, inzwischen jedoch wieder entlassen. Wie die Staatsanwaltschaft mitteilt, reicht der aktuelle Ermittlungsstand nicht aus, um einen dringenden Tatverdacht zu begründen. Insbesondere könne derzeit eine Notwehrsituation nicht ausgeschlossen werden. Die Tat ereignete sich nach bisherigen Erkenntnissen in unmittelbarer Nähe des Wohnhauses des Jugendlichen. Zudem seien mehrere Begleiter des verletzten 23-Jährigen bislang nicht bereit gewesen, gegenüber der Polizei auszusagen. Dies erschwere die Rekonstruktion des Geschehens erheblich. Der Beschuldigte selbst macht von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch.
Staatsschutz weiter beteiligt
Die Ermittlungen werden weiterhin von einer Mordkommission der Polizei Göttingen geführt. Auch der Staatsschutz bleibt eingebunden. Hintergrund sind Hinweise aus sozialen Netzwerken und Internetplattformen, auf denen dem Tatverdächtigen eine Nähe zur rechtsextremen Szene zugeschrieben wurde. Die Ermittlungsbehörden betonen jedoch ausdrücklich, dass ein politisches Motiv bislang weder bestätigt noch ausgeschlossen werden könne. Entsprechende Behauptungen würden derzeit überprüft.
Demonstration mit rund 1.000 Teilnehmenden
Der Fall hatte am Sonntag bundesweit Aufmerksamkeit erregt. Nachdem in sozialen Netzwerken von einem möglichen rechtsextremen Hintergrund berichtet worden war, beteiligten sich rund 1.000 Menschen an einer Demonstration durch die Göttinger Innenstadt. Die Kundgebung stand unter dem Motto „Gegen rechte Gewalt“ und verlief friedlich. Die aktuellen Angaben der Staatsanwaltschaft machen deutlich, dass zentrale Fragen zum Tatablauf weiterhin ungeklärt sind. Die Ermittlungen dauern an..
Ulf Engelmayer
